Archiv für den Monat August 2014

Paravent gegen Windhauch


Liebe und Freundschaft sind die Momente,
in dem Dich jmd einfach in den Arm nimmt, wenn Du weinst..
In dem man nicht fragt, was los ist.
Momente, in denen Du fällst und jmd unter Dir steht, weil er vorher wusste,
dass Du fällst.
Momente, in denen Dich Menschen ablenken,
bevor Du anfängst zu weinen..
Momente, in denen Freunde Hindernisse aus dem Weg räumen,
bevor Du sie passierst.
Momente, in denen Freunde die Aufgaben für Dich übernehmen,
zu denen Du nicht fähig bist.
Momente, in denen Dich Freunde leiten und führen.
Lass Dich führen und vertraue ihnen.
Danke, dass es euch gibt.
Ohne euch würden wir verstört durchs Leben stolpern.

 

Im Moment scheint alles irgendwie „wackelig stabil“.. wie ein Kartenhaus. Noch steht es. Aber der kleinste Windhauch kann alles wieder einstürzen lassen. Am besten man baut einen Paravent drum herum. Aber ist das sinnvoll? Was ist, wenn der Windhauch von der anderen Seite kommt? Dann brauchen wir wohl auch einen Paravent auf der anderen Seite. Und dann? Steht das Kartenhaus isoliert von Allem in dem Ring aus Paravents. Ist das das Ziel? Isolation als Prävention?

Sicher nicht.

Also warten wir auf den Luftzug. Und erfreuen uns über die „wackelige Stabilität“ und deren Dauer.

 

 

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„Gesegnet“- oder wie immer man es nennen mag……


Urlaub…

seit 6 Jahren der erste Urlaub ohne Krankenhaus. Was tut man so mit seiner Zeit? Seiner Zeit, die auf einmal irgendwie übrig ist… Zeit, in der man auf einmal nicht funktionieren muss.. Gibt es nichts zu tun?  Doch. Sogar sehr viel. Aber die Motivation hält sich in Grenzen. Man steht auf. Das ist schon viel. Stiehlt sich irgendwann ins Bad, duschen, fertig machen. Aber wofür? Der Couch ist es egal, ob ich gewaschen oder ungewaschen auf ihr liege. Aber anscheinend ist noch nicht jede Hoffnung verloren.. ich wasch mich trotzdem, ziehe mich an, mal mir Wimpern, weil ich sonst aussehe wie Bolle. Um dann mit bemalten Wimpern wieder ins Bett zu gehen – 14 Stunden später. Ja, diese Phasen gibt es. Und ich nehm sie mit.. Vielleicht zeigt sich noch, wofür sie gut waren. Man weiss es nicht.

Und dann gibt es Tage wie die letzten drei. Tage, die Balsam sind für entzündete Seelen. Tage, die dir jemand so schön gestaltet, dass Deine Trauer in den Hintergrund rückt und an denen es erträglich wird. Das sind die wenigen Momente, in denen man Kraft schöpfen kann.  Und es tut gut, diese Tage mit Menschen zu verbringen, die Dich nicht vergessen haben und die nicht nur per Nachricht fragen: „Wie geht´s?“. Das sind die Menschen, die nicht von Deiner Seite weichen und ein Sprungtuch unter Dir aufbauen, wenn sie merken, dass Du fällst.

Morgen will ich das erste mal seit ich hier wohne streichen. Ok, der Vorsatz ist da. Mal sehen, wann ich diesmal die Lust verliere. Optimismus ist definitiv nie eine Stärke von mir gewesen. Aber streichen ist ja erst morgen angesagt. Heute schaue ich mir Videos von der Motte an.. die letzten Tage im Hospiz. Von denen ich nicht wirklich ahnte, dass es tatsächlich die letzten Tage sind. Irgendwie wusste es Jeder ausser mir. Es ist nicht so, dass man es mir nicht gesagt hätte. Das hässliche Wort „Finalpflege“ sagte mehr aus als 100 Arztbriefe..

Aber ich habs ganz einfach nicht gerafft!! Oder nicht raffen wollen.. oder es verdrängt.. Nicht wahr haben wollen.

Keine Ahnung welcher Mechanismus im Körper da wie reagiert hat. Wenn ich mir heute die Videos anschaue.. wie soll man es ausdrücken?  Es war die tollste Zeit, die wir je mit Motti haben konnten.. wir wurden bekocht, die Pflege immer dann übernommen, wann wir es wollten.. das erste Mal ohne schlechtes Gewissen loslassen können… wie habe ich jemals denken können, dass all dies so weitergeht?! Ich hab keine Ahnung. Ich habs irgendwie …gehofft? mir vorgegaukelt? Keine Ahnung was..  Es war schön, ihr so nah sein zu können und so viel abgenommen zu bekommen..Sie am Alltag teilhaben zu lassen, zu wissen, dass sie niemals allein ist, auch, wenn wir eine Auszeit für uns brauchten….

Besuch von Familie (im Krankenhaus, Hospiz oder sonst wo)  haben die letzte Zeit so intensiv gemacht.. Man rückte näher zusammen – vor dem drohenden Unheil.. Und jeden Tag bin ich froh, noch eine Handvoll Menschen um mich zu haben, die mich stets unterstützt haben- egal was war.. die immer zu mir hielten, die immer versuchten, für mich die Kohlen aus dem Feuer zu holen..Meine Eltern, die Jule ganz lang betreut haben, weil ich arbeiten gehen musste, Mama, die Kuchen backte, der keine halbe Stunde überlebt hat (egal wo), weil er lecker war… Papa, der Klospray zum Eau de Toilette umfunktionierte (bäääääh!!! Vadder!!!!)….. Auch wenn das eigene Kind nicht immer „funktioniert“, wie man es sich vorstellt:) Danke Mama und Papa:) Ich hab euch lieb:)

Und so versuche ich wenigstens heute mal „gesegnet“ (Status auf Facebook, der mich immer besonders irritiert) ins Bett zu gehen.. Ja, Motti ist hier… Egal was passiert…

Frust, Frust, Frust


002

3 Monate und 9 Tage.. es erwischt mich täglich, dass ich in Tränen ausbreche und so langsam wird mir klar, dass dies nicht mehr das Leben ist, wie ich es vor dem 01.Mai gehabt habe. Motti ist jeden Tag präsent. Immer da. Der erste und der letzte Gedanke des Tages.

Viele Enttäuschungen kamen dazu.. Menschen, die sich anfangs noch so rührend gekümmert haben, kriegen es plötzlich nicht mehr hin, eine Nummer zu wählen. Sie erwarten, dass ICH anrufe. Hmm…. muss ich das kommentieren? Anscheinend ja… Ich muss mich mega konzentrieren/zusammenreissen, jeden Tag überhaupt aufzustehen. Es kostet so unendlich viel Kraft, jeden Tag zu atmen. Nicht aufzugeben, irgendwie weiterzuleben zwischen all den Anforderungen, denen man nicht gerecht werden kann, weil man einfach nur am Ende ist. Uns fliegt das Leben um die Ohren!!!!! Da soll man fähig sein, einen Nummer wählen zu können? Nein, das ist jetzt mal euer Part. Ja, ihr seid glücklich in EUREM Leben. Das ist auch ok so. Da hat jmd. der trauert keinen Platz. Dennoch- weg ist weg. Wir können auch nicht stehenbleiben bis ihr mal wieder Zeit/Interesse an uns habt. Wer sich jetzt nicht mehr gemeldet hat ist mir SCHEISSEGAL. Die, die am weitesten weg wohnen bieten sich an. Warum? Weil sie wissen, dass sie zu weit weg wohnen? Ich hab keine Ahnung. Aber von den anfänglichen tollen Freunden sind keine mehr geblieben. Dafür sind welche dazugekommen, die einen verstehen. Diejenigen, die das gleiche Schicksal hinter sich haben. Der Rest kann… was auch immer…

Ich nutze viel Zeit in der Natur. Da hat man seine Ruhe, kann seinen Gedanken nachhängen, ohne, dass man sich unterhalten muss über Belangloses. Man sieht die Welt mit anderen Augen. Es tut immer noch jeden Tag einfach unendlich weh… Während andere einfach so zur Normalität übergegangen sind, steht für mich immer noch die Welt still… Ich sehe ihre Bilder.. denke an die Zeit, die wir hatten.. Denke an all die süßen Engel, die ebenfalls die schwere Reise antreten mussten und an ihre Eltern, die mein Schicksal teilen. Es it so furchteinflößend, wenn man all das Leid sieht. All die Eltern und Kinder..

Sie alle hinterlassen Eltern/Verwandte, für die nichts mehr so wird, wie es mal war…Amy, Bela, der gerade mit seinen Eltern um jeden Tag kämpft, Charlotte, Fabian, Jessica, Mark-Kevin, Leonie, Matthias, Sarah-Joleen, Robin, Oliver, Dominik, Yannik, André, Stefan etc etc….. (liebe Sternenmamis, ich kann leider nicht alle aufzählen…aber ich denke an alle eure Kinder).

Wenn euch allein die Aufzählung Angst macht, dann lasst euch gesagt sein, dass das noch lange nicht alle lieben Sternenkinder sind!!!! Leider habe ich die meisten nicht kennenlernen dürfen. Aber ihre Eltern haben viel von ihnen erzählt, so dass man sich ein ganz gutes Bild der einzelnen Kinder machen kann.. Ja, wir reden über sie! Dauernd. Es tut einfach gut. Aber anscheinend können die Meisten nicht mit uns darüber reden… Trauig:(

Lauter Kinder, die viel zu früh gehen mussten und die zerbrochene Herzen hinterlassen haben, die man NIE MEHR kitten kann. Für uns beginnt eine neue Zeitrechnung. Und da haben manche von euch leider keinen Platz mehr drin!

Dumme Fragen wie: „Trauerst du immer noch?“

werden dank einer netten Bekannten mit: „Ja, denn sie ist ja immer noch tot!“ beantwortet.

Was soll man schon anderes auf solch dumme Fragen antworten…Man lernt einfach nur noch zu selektieren. Rechts und links. Tschüß zu den Einen, Hallo zu den Anderen.  Und wenn einer sich fragt, warum ich mich nicht melde, sollte er vielleicht erst nachdenken bevor man schreibt..

Und dann gibt es da die stillen Helden. Die, die dich annehmen mit all deinem Schmerz und dich unterstützen, egal zu welcher Uhrzeit und egal mit was. Danke Giovanni für deinen „technische“ Unterstützung. Dank ihm konnte ich das Lied „Augenstern“ von Yvonne Betz  hochladen. Wer es sich anhören möchte- es folgt der Link. Einfach downloaden. Da aber der Erlös der CD´s dem Kinderhospiz Dudenhofen zu Gute kommt, bitte ich euch, bei Gefallen des Liedes, dieses für 5 € im Sterntalershop zu erwerben (Link wird ebenfalls gepostet). Dankeschön.

Link zum Bestellen der CD:

http://www.kinderhospiz-sterntaler.de/spenden-shoppen/musik.html