Archiv für den Monat Dezember 2015

Schokocrossie


Seit einiger Zeit gehe ich mal wieder ins Solarium. Als die Motte noch nicht auf der Welt war, ging ich regelmässig. Doch dann kam sie. Und mit Kleinkind hat man weder die Zeit dazu, ins Solarium zu gehen, noch die Lust.
Seit ca. 1 Jahr gehe ich nun wieder regelmäßig. Der Beweggrund dafür war eigentlich nicht der Wunsch nach Bräune. Viel mehr fand ich es verlockend, in dieser abgeschirmten Sonnenbank eine Auszeit zu verbringen. Nicht erreichbar, einfach nur mit sich selbst und seinen Gedanken auf kleinem Raum allein sein, sich nicht unterhalten zu müssen und keine Beschäftigung zu haben außer dazuliegen. Ich genoss die Auszeit immer mehr. Es ist meine eigene kleine geplante Gedankenzeit, in der ich ungestört an die Motte denken kann. Deshalb nutze ich sie regelmäßig. Doch die letzten Tage kam ich einfach nicht dazu und das ärgerte mich.
Nie hatte ich die Zeit dafür. Heute hatte ich mir vorgenommen auf jeden Fall zu gehen. Ich also rein ins Solarium. Vor mir steht ein Kerl, weiß wien Mehlwurm und sagt zur Solariumfrau: „Die 1, 20 Minuten.“ Na toll, die 1 ist MEINE Bank!! Die is nix für Mehlwürmer sondern nur vor vorgebräunte Haut.. Arschloch ey.. Naja, jetzt hat er die 1 und ich kann entweder 20 Min. warten oder ne andere Bank nehmen. Beim Blick auf die elektronische Anzeige der Sonnenbankbelegungen sehe ich, dass keine nur annähernd rentable Bank mehr für mich frei ist. Doch was ist das? Die 9 ist noch frei. Sundevil.. hmm kenn ich nicht. Da war ich noch nicht drauf. Aber alles besser als die gurkigen Bänke, die eigentlich für die Mehlwürmer sind. Da geh ich nicht drauf. Etwas trotzig sage ich zur Solariumfrau: „die 9, 30 Minuten.“ Ha, ich bin vorgebräunt, mir macht das nix aus.
Ich betrete Kabine 9, schau das Gerät an und finde es ziemlich klein, eng und kompakt. Gut, dann wird man auch braun. Ich zieh mich also aus, lege mich drunter, zieh den Deckel zu. Das Gerät startet. Im Deckel sind die statt der sonst vorhandenen Röhren die gleichen Lampen wie im Gesichtsbräuner. Holla, das wird lustig.. egal, so schlimm kanns nicht sein.  Wow, die Röhren sind naber schnell warm. Von null auf 100 in 20 Sekunden. Ich liege da, versuche meine Gedanken schweifen zu lassen, denke an Motti. Ist aber echt ziemlich warm. Ob andere das auch so warm finden? Ich merke, wie mein Hintern brennt. Die Liegefläche ist sekundenschnell schier unerträglich warm geworden. Ich rolle mich auf die Seite. Schon besser. Doch nach 30 Sekunden ist es da auch zu warm.
Nach den ersten 5 Minuten suche ich fast panisch den  Button für die Ventilatoren.. ich sehe, dass sie schon volle Kraft laufen. Scheisse, ist das heiss.. Den Gesichtsbräuner hab ich schon gleich auf Minimum gestellt. Trotzdem noch endlos heiss. Der Rücken glüht nach 10 Minuten, ich fange an, in meiner eigenen Soße zu schwimmen.. Ok, dann verlier ich eben 4 kg durch Schwitzen. Ich dreh und wende mich auf dieser kleinen Fläche, die ich zur Verfügung habe und zähle die Minuten..Schade, dass es keinen Livestream hierfür gibt. Ich glaube meine Mutation zum Schlangenmensch hätte jede Menge Zuschauer. Langsam fängts an, verkokelt zu riechen. Jetzt weiss ich, wie sich Bacon in der Pfanne fühlt. Wenn alle Flüssigkeit aus ihm rausfliesst und er sich aufgrund der Hitze zusammenzieht. Ich könnte schwören, dass ich jetzt schon 2cm kleiner geworden bin. Nach 20 Minuten halte ich es nicht mehr aus und öffne den Deckel 2 Handbreit. Oh Gott, Luft!!! Irgendwie hab ich es dann doch noch überstanden und das Vogelgezwitscher war zu hören, was das Ende der Bräunungszeit ankündigt. Ich schäle mich von der Bank, vergewissere mich, dass keine Haut von mir darauf festgebrannt ist, ziehe mich an und gehe.. Ich fühle mich wie ein Schokocrossie. Als ich ins Auto ansteige, dauert es genau 2 Sekunden, bis alle Scheiben komplett angelaufen sind. Uii, ja, ich bin heiss^^.. Lüftung voll aufgedreht, alle Scheiben runtergekurbelt fahre ich als Schokocrossie nach Hause. Das Date mit dem Sundevil war verdammt heiss. Aber auch, wenns das Heisseste war, was mir in letzter Zeit passiert ist, so strebe ich nicht unbedingt nach einer Wiederholung. Das nächste Mal werde ich wieder auf meine Nummer 1 gehen. Auch, wenn ich dafür warten muss.
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Selbstreflektion


 

Vorwort

Mit Schrecken habe ich festgestellt, dass dieser Blog von jmd. abboniert wurde, die keinerlei Infos über mich, meine Trauer und mein Leben  erhalten sollte. Nun stellt sich die Frage: Der einzige Weg, den Blog unzugänglich für die Person zu machen, wäre ihn auf privat umzustellen. Jeder, der ihn lesen möchte würde nur über Anfrage einen Link bekommen. Das ist jedoch nicht der Sinn dieses Blogs. Er soll für alle zugänglich sein. Für Menschen, die z.B. oft abends googlen. So wie ich damals. Als ich wusste, dass unser Weg mit Motti irgendwann enden wird. Ich habe so viele Blogs, Foren und Artikel durchforstet. Was ich gesucht habe? Keine Ahnung.. Ich wollte wissen, wie andere „damit“ umgehen… Damals habe ich noch nicht verstanden, ich konnte nur lesen, nicht nachfühlen. Aber dennoch half es. Und deshalb bleibt dieser Blog öffentlich. Ich werde bestimmte Dinge filtern, bevor ich sie schreibe- auch wenn das  meiner selbstgesetzten  Regel widerspricht.

Weihnachten

Das zweite Weihnachten ohne Motti nähert sich mit riesigen Schritten.. Gerade in letzter Zeit merke ich, wie mich die Menschen, mit denen ich im Alltag zu tun habe, mitleidig anschauen. Manchmal äußern sie auch, dass sie mich bemitleiden. Ich hab es nicht gleich geschnallt.. erst einige Zeit später wusste ich warum. Weihnachten naht. Das Fest, an dem scheinbar alle Menschen von einer massiven Mitleidswelle erfasst werden und irgendwelche Helfersyndrome urplötzlich in ihnen geweckt werden.. Es wird an allen Ecken und Enden gespendet, es werden Verhaltensweisen an den Tag gelegt, die mit dem „alltäglichem“ Verhalten nur sehr wenig zu tun haben.. Ach komm, es ist doch Weihnachten! Und auf einmal sieht man wieder die Menschen, denen es schlechter geht, als einem selbst. Und ich meine Menschen, denen es wirklich schlecht geht. Mir geht es gut. Im Vergleich zu anderen. Wieso seht ihr die Menschen an den anderen Tagen nicht?!

Ja, es ist Weihnachten. Das ist der Trauer aber scheissegal. Sie ist IMMER in da. 365 Tage ohne Urlaub oder Festtage. Und sie tut immer weh. Nicht nur  an Weihnachten. Und Mitleid bringt mir nichts.. Ich lebe mit dieser Trauer. Sie gehört zu mir wie ein Körperteil.. Und auf einmal siehst Du das bunte Treiben rund um Weihnachten mit anderen Augen. Ich wünschte manchmal, ihr würdet das durch meine Augen sehen können. Aber dann würde die Tagesschau einen verheerenden Einbruch des Einzelhandelumsatzes melden. Und die Wirtschaft möchte doch bitte angekurbelt sein! Ihr kümmert euch schon darum, dass das so bleibt.

Mit eurer stressigen, hektischen Geschenkesuche in der Vorweihnachtszeit. Ich habe die Leute in den Einkaufszentren beobachtet. Sie rennen und hetzen von einem Laden in den nächsten, riesige Tüten an den Handgelenken, Hunde und Kinder im Schlepptau…Immer auf der Suche nach.. ja, nach was eigentlich?

Du stehst zwischen all den Menschen, die stressig von einem Geschäft ins nächste hetzen, um Weihnachtsgeschenke zu kaufen, an den Händen zerren sie Kinder und Vierbeiner mit. Plötzlich taucht eine bunt verkleidete Weihnachtsparade auf. Durch die Boxen dröhnt der Soundtrack der Eiskönigin. Kinder, deren Augen leuchten, bleiben stehn und schauen staunend und freudig der Parade zu. Eltern zerren die Kinder weiter, schenken den aufwendig Kostümierten keine Beachtung.. wollen ins nächste Geschäft.. denn noch hat man noch nicht alle Geschenke..

…und ich stehe da, mit nichts als einer Tüte an der Hand.. zu gern hätte ich Mottis strahlende Augen neben mir gehabt, würde das alles so gern mit ihr erleben. Weihnachten ist definitv nichts mehr für mich..

Es ist das zweite Weihnachten ohne Motti. Ja, aber umso wichtiger ist es dieses Jahr für mich, Zeit mit meinen „Lieben“ zu verbringen. Ein persönlich einschneidendes Erlebnis hat mich wachgerüttelt und mich daran erinnert, jede Sekunde zu nutzen, die wir mit den Menschen noch haben. Zu schnell kann man dafür keine Zeit mehr haben.

Mein Apell an euch: Genießt die Zeit, die ihr mit euren „Lieben“ habt, denn sie ist zu schnell vorbei und nichts kann noch gesagt oder getan werden, was man versäumt hat.