Archiv für den Monat Juli 2016

Der Glaube


Es ist so lange her, dass ich hier einen Artikel verfasst habe. Warum schrieb ich nicht? Jedenfalls nicht, weil ich es vergessen hätte.. Nein, ich habe so oft daran gedacht. Aber ich musste lernen, dass es nunmal auch so etwas wie Sprachlosigkeit in der Trauer gibt. Das war auch für mich neu. Meine Motti ist IMMER bei mir, ich denke den ganzen Tag an sie, ich vermisse sie, ich weine um sie- jeden Tag. Und doch konnte ich jetzt knappe 4 Monate nicht darüber schreiben. Ich hatte einfach keine Worte.

Seit 2 Wochen bereichern wieder Katzen meinen Alltag. Anton und Paul, ca. 12 Wochen alt wohnen nun seit 2 Wochen bei mir und machen mir jetzt schon ganz schön Sorgen. Ein Katzenschnupen (so die vorläufige Diagnose) in ihrem zarten Alter. Es ist schön, wieder „Leben in der Bude zu haben“. Anton ist und bleibt Sorgenkind Nummer 1. Aber auch das werden wir zusammen meistern.

Doch eigentlich wollte ich von einem Erlebnis auf der Arbeit berichten, das schon länger her ist aber mich immer noch sehr bewegt. Eines meiner Kinder ist ein wahrer Wirbelwind. Unzähmbar, wild, aggressiv und unbelehrbar. Dennoch mag ich ihn sehr. Die Kinder, die unsere Einrichtung besuchten, als Motti starb haben mich an meinem ersten Arbeitstag danach natürlich gefragt, wo ich so lange war. Ich antwortete ihnen mit der Wahrheit. Meiner Meinung nach haben sie ein Anrecht auf die Wahrheit. Ich kenne ihre Geschichten und es ist nur fair, ihnen meine Geschichte zu erzählen. Immerhin handelt es sich hier um Schulkinder, denen man ehrlich begegnen kann. Zurück zu meinem Haudegen.. Als er hörte, dass meine Tochter gestorben war, drückte er sich eng an mich, schaute mich an und sagte: „Weisst du, deine Tochter ist jetzt bei Gott. Da wird es ihr gut gehen. Da sitzt sie auf einer Wolke und schaut runter zu uns.“

Sofort schossen mir die Tränen in die Augen. Ich habe nie an Gott geglaubt und ich werde nie an Gott glauben. Doch in diesem einen Moment, beneidete ich dieses Kind um seinen Glauben.

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