Archiv für den Monat Juni 2017

Zustand unverändert


 

 

Jemand hat mich gefragt, wie es mir geht, da mein letzter Blogeintrag doch schon um einiges zurückliegt. Tja, was soll ich sagen? Ich glaube eine passende Antwort wäre die, die wir immer auf den Intensivstationen zu hören bekamen, wenn wir nachgefragt haben, wie es Motti wirklich geht: Zustand unverändert. Es geht nichts vorwärts, nichts rückwärts. Gefangen in der täglichen Trauer. Und ich muss mich immer mehr konzentrieren, wenn ich ihre Stimme hören, ihren Geruch riechen oder ihre Hand spüren will…. Sie erscheint mir momentan weiter entfernt als je zuvor. Bilder, Videos helfen- jedoch nur kurzzeitig. Mein jetziges Leben ohne sie ist so traurig, leer, endlos und ätzend. Trauer zerfetzt uns Eltern, ist erbarmungslos, erwischt uns immer wieder unerwartet, beeinflusst unser jetziges Leben jede Sekunde. So sehr ich mich auch bemühe, wieder „aktiv“ am Leben teilzunehmen, das Beste draus zu machen- immer wieder verpasst Dir die Trauer einen Dämpfer, erinnert Dich daran, dass sie niemals vergehen wird. Und doch ist es die Trauer, die mich meiner Motti nahe sein lässt. Trauer hat viele Gesichter und zeigt diese vielfältig bei uns verwaisten Eltern. Sie äußert sich in körperlichen Schmerzen, Beschwerden und Erkrankungen (z.B. Herzrhythmusstörungen, Schwindel, lokale Schmerzen, Bluthochdruck, Schlaflosigkeit, Unruhe,  und unendlich viel mehr), Verhaltensänderungen, Depressionen etc etc..  ab dem Zeitpunkt, an dem ihr Engel Flügel bekommen hat, werden viele Menschen schwer krank. Auch das gehört zu dem Weg, den wir gehen müssen. Die Trauer verändert Dich, Dein Umfeld, Deine Beziehungen, sie diktiert Dir Dein Leben und nimmt keine Rücksicht darauf, ob Du gerade stark genug dafür bist.

Mittlerweile habe ich akzeptiert, dass sie da ist, beuge mich ihren harten Regeln. Denn immerhin öffnet sie mir ab und zu die Türe zu den Erinnerungen mit Motti und ich fühle mich ihr näher als sonst.

„Motti, wo auch immer Du jetzt auch bist, ich werde all das hier wie gewohnt meistern, mich darauf freuen, Dich endlich wiederzusehen.

Ich liebe Dich, warte auf mich, ich beeile mich hier unten.

Mama“

 

 

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