Archiv des Autors: MottisMama

Über MottisMama

Mama der tollsten Tochter der Welt, einsame Kriegerin im Alltag, seit 01.05.2014 kinderlos, schlage mich tapfer durch sämtliche Widrigkeiten.. Skype: mottismama

Prost mein Schatz😞Auf die Ewigkeit!💫🌟


Langsam hat die Sonne Dein Photo verblassen lassen.. Die Erinnerung an Dich jedoch kann nichts je verblassen lassen. An dem Photo merkt man, dass es laut Datum nicht erst gestern war. Im Herzen jedoch wird es immer erst gerade eben gewesen sein seit meine Welt in Trümmern liegt.

Vielleicht würdest Du jetzt heimlich nach einem Essen Deiner Eltern mit Freunden die Reste aus den Gläsern trinken, wie ich es als Kind getan habe. Du würdest genervt Deine Hausaufgaben aufschieben, lieber mit Freunden spielen wollen, wir würden darüber diskutieren, dass Du Dein Zimmer aufräumen sollst usw.. wer weiss..

Im Moment sitze ich hier bei Dir, stoße mit Dir an und bin so unendlich traurig über die Tatsache, dass Du so früh gehen musstest und ich hier allein ohne Dich zurückbleiben muss…

Warte auf mich da oben mein Kind, ich beeile mich hier unten.

Unfassbar


.. und dann hast Du einfach aufgehört zu atmen….

.. und dann hast Du einfach aufgehört zu atmen….

.. und dann hast Du einfach aufgehört zu atmen….

Einfach so.

Dieses Bild ist eingemeißelt in meinem Herzen.

.. .. und dann hast Du einfach aufgehört zu atmen….

Zustand unverändert


 

 

Jemand hat mich gefragt, wie es mir geht, da mein letzter Blogeintrag doch schon um einiges zurückliegt. Tja, was soll ich sagen? Ich glaube eine passende Antwort wäre die, die wir immer auf den Intensivstationen zu hören bekamen, wenn wir nachgefragt haben, wie es Motti wirklich geht: Zustand unverändert. Es geht nichts vorwärts, nichts rückwärts. Gefangen in der täglichen Trauer. Und ich muss mich immer mehr konzentrieren, wenn ich ihre Stimme hören, ihren Geruch riechen oder ihre Hand spüren will…. Sie erscheint mir momentan weiter entfernt als je zuvor. Bilder, Videos helfen- jedoch nur kurzzeitig. Mein jetziges Leben ohne sie ist so traurig, leer, endlos und ätzend. Trauer zerfetzt uns Eltern, ist erbarmungslos, erwischt uns immer wieder unerwartet, beeinflusst unser jetziges Leben jede Sekunde. So sehr ich mich auch bemühe, wieder „aktiv“ am Leben teilzunehmen, das Beste draus zu machen- immer wieder verpasst Dir die Trauer einen Dämpfer, erinnert Dich daran, dass sie niemals vergehen wird. Und doch ist es die Trauer, die mich meiner Motti nahe sein lässt. Trauer hat viele Gesichter und zeigt diese vielfältig bei uns verwaisten Eltern. Sie äußert sich in körperlichen Schmerzen, Beschwerden und Erkrankungen (z.B. Herzrhythmusstörungen, Schwindel, lokale Schmerzen, Bluthochdruck, Schlaflosigkeit, Unruhe,  und unendlich viel mehr), Verhaltensänderungen, Depressionen etc etc..  ab dem Zeitpunkt, an dem ihr Engel Flügel bekommen hat, werden viele Menschen schwer krank. Auch das gehört zu dem Weg, den wir gehen müssen. Die Trauer verändert Dich, Dein Umfeld, Deine Beziehungen, sie diktiert Dir Dein Leben und nimmt keine Rücksicht darauf, ob Du gerade stark genug dafür bist.

Mittlerweile habe ich akzeptiert, dass sie da ist, beuge mich ihren harten Regeln. Denn immerhin öffnet sie mir ab und zu die Türe zu den Erinnerungen mit Motti und ich fühle mich ihr näher als sonst.

„Motti, wo auch immer Du jetzt auch bist, ich werde all das hier wie gewohnt meistern, mich darauf freuen, Dich endlich wiederzusehen.

Ich liebe Dich, warte auf mich, ich beeile mich hier unten.

Mama“

 

 

MEIN Weihnachten mit MEINER Tochter


Und wieder beginnt die schwerste Zeit für verwaiste Eltern. Für mich das dritte Weihnachten ohne Dich.  Während alle voller Freude dem großen Fest der Liebe entgegenfiebern, Kinderaugen vor Vorfreude leuchten, Menschen gemütlich dekorieren, Geschenke kaufen, kämpfen wir jeden Tag mit den Tränen.. Ich stehe zwischen all den Geschenkesuchern, Geschenkefindern, umgeben von Weihnachtsdüften, alles dreht sich, Tränen steigen empor. Ich suche wetterfeste Geschenke. Schöne Dinge, die den kalten Winter auf dem Friedhof überstehen. Ein kleiner weihnachtlicher Gruß für mein Kind. Ich finde kleine Weihnachtskugeln, die ich an einen Minitannenbaum hängen werde. Einen kleinen Engel, den ich in eine Laterne stellen werde. Das ist MEIN Weihnachten mit MEINER Tochter. Dekoriert zuhause ist nichts. Feiern passt immer noch nicht zu mir. Zu traurig ist all das Drumherum. So unendlich gerne würde ich mit dir unter unserem Tannenbaum „Halbgewachs“ sitzen, dich beobachten, wie du dich über Geschenke freust, die Freude in deinen Augen genießen, mit dir auf Weihnachtsmärkte gehen, dir jeden Wunsch erfüllen, mit dir bis nachts aufbleiben, um deine Geschenke auszuprobieren… Die Sehnsucht ist so unendlich schwer auszuhalten in dieser Zeit! Du fehlst mir jeden Tag mehr, Motti..

Warte auf mich! Ich beeil mich hier unten……

Mama

 

Trauerfrust


 

Lass die Sterne doch leuchten, lass sie lachen, du bist nicht hier, wirst nie mehr hier sein. Fortgenommen für immer, schaue ich deinen Spuren nach… eingeholt von der Trauer über die Endgültigkeit.
Ich hasse es, ohne dich zu sein, ich ertrage es nicht, ohne dich zu sein. Bin hier gefangen, verdammt bis zu meinem Tod. An ein Wiedersehen danach kann ich nicht glauben, auch, wenn ichs noch so sehr versuche.
Noch einmal deine Stimme hören, dir noch einmal einen Kuss geben, nur noch einmal mit dir im Arm einschlafen, an dir zu riechen.. was gäbe ich drum!!!
Warte auf mich, Motti, ich beeil mich hier unten..

 

Der Tod und seine neuen Schnittstellen


Manche kennen es noch, das Leiterspiel. Man würfelt und rückt die Augenzahl vor. Wenn man Pech hat, kommt man auf ein Feld wie z.B. hier die 30. Auf dem Feld katapultiert dich eine Leiter sofort wieder zum Anfang zurück. Ungefähr so ist es mit der Trauer. Es gibt Tage, an denen Du scheinbar vorankommst. An denen die Trauer nicht überhand nimmt und Du verhältnismäßig gut über den Tag kommst, Du trotzdem etwas Freude hast, an diesem unkompletten Leben, in dem der wichtigste Teil fehlt. Und wenn es Dir dann richtig gut geht, taucht plötzlich am nächsten Tag ein Feld mit einer Leiter auf.

Komme ich auf solch ein Feld, katapultiert mich dieses direkt zum 1.Mai 2014.

Und dann fühlt sich alles so an, als ob es gerade eben geschah, dass wir dort zu sechst im Zimmer saßen und unsere Motti sich auf den Weg zu den Sternen gemacht hat. Plötzlich beschäftigst Du Dich wieder mit dem Tod. Schaust in Dein Umfeld und bemerkst, dass Du langsam in das Alter kommst, in dem Freunde erkranken, der Tod immer häufiger neue Schnittstellen erschafft in Deinem Leben.. Und Freunde fangen an, näher zusammen zu rücken, Gesundheit zu schätzen. Sehr betroffen gemacht hat mich der Tod einer Bekannten b(Barbara), die Freundin meiner Freundin. Ich habe sie leider nicht sehr gut gekannt. Ich fing lediglich mal eine Katze mit ihr ein, die entlaufen war an einen trüben Tag im Klinikum Mannheim. Das war lustig 🙂

Dennoch jagt mir dieses Schicksal richtig Gänsehaut über den ganzen Körper. Sie war 42, starb 5 Wochen nach der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs. Es macht mich betroffen und ich möchte für meine Freundin da sein, die ihr so nahe stand.

Barbara, alles Gute da oben, ich hoffe Du passt auf Deine Lieben auf und feierst da oben richtig ab!

Jetzt, wo die grauen Tage anbrechen, wird auch das Gemüt ziemlich grau. Umso mehr weiß man die goldenen Herbsttage zu schätzen, an denen die Sonne ihr Licht auf all das Können der Natur scheinen lässt. Da ist auch das Abrutschen auf der Leiter nur noch halb so schlimm.

 

Ein Appell von verwaisten Eltern für ihre Mitmenschen


Klage nicht…

klage nicht…
dass dein Kind ständig schlecht isst,
mein Kind isst nie mehr,ob schlecht oder gut…

klage nicht…
dass dein Kind laut und nervend ist,
mein Kind kann nie mehr laut sein…

klage nicht…
dass dein Kind immer öfters widerspricht,
mein Kind wird mir niemals widersprechen…

klage nicht…
dass dein Kind ein schlechter Schüler ist,
mein Kind wird niemals schlechte Noten mit nach Hause bringen…

klage nicht…
dass du viel Geld für dein Kind ausgeben musst,
ich brauche nie wieder Geld für mein Kind ausgeben…

klage nicht…
dass dein Kind ständig krank ist,
ich werde mein Kind nie wieder gesund pflegen…

klage nicht…
dass dein Kind ständig Dreck macht,
mein Kind macht nun gar nichts mehr dreckig…

klage nicht…
dass dein Kind nicht viel schlafen mag,
mein Kind schläft nun viel zu viel…

klage nicht…
dass dein Kind dir viele Nerven raubt,
sei glücklich, dass du nicht weiß was es bedeutet keine Nerven mehr zu haben…

klage nicht…
über dein lebendes Kind,
schätze jeden Tag und freue dich darüber!

(Danke Katja mit Danny im Herzen)

 

http://www.sternenkinderbruecke.de/index2.html

Der Glaube


Es ist so lange her, dass ich hier einen Artikel verfasst habe. Warum schrieb ich nicht? Jedenfalls nicht, weil ich es vergessen hätte.. Nein, ich habe so oft daran gedacht. Aber ich musste lernen, dass es nunmal auch so etwas wie Sprachlosigkeit in der Trauer gibt. Das war auch für mich neu. Meine Motti ist IMMER bei mir, ich denke den ganzen Tag an sie, ich vermisse sie, ich weine um sie- jeden Tag. Und doch konnte ich jetzt knappe 4 Monate nicht darüber schreiben. Ich hatte einfach keine Worte.

Seit 2 Wochen bereichern wieder Katzen meinen Alltag. Anton und Paul, ca. 12 Wochen alt wohnen nun seit 2 Wochen bei mir und machen mir jetzt schon ganz schön Sorgen. Ein Katzenschnupen (so die vorläufige Diagnose) in ihrem zarten Alter. Es ist schön, wieder „Leben in der Bude zu haben“. Anton ist und bleibt Sorgenkind Nummer 1. Aber auch das werden wir zusammen meistern.

Doch eigentlich wollte ich von einem Erlebnis auf der Arbeit berichten, das schon länger her ist aber mich immer noch sehr bewegt. Eines meiner Kinder ist ein wahrer Wirbelwind. Unzähmbar, wild, aggressiv und unbelehrbar. Dennoch mag ich ihn sehr. Die Kinder, die unsere Einrichtung besuchten, als Motti starb haben mich an meinem ersten Arbeitstag danach natürlich gefragt, wo ich so lange war. Ich antwortete ihnen mit der Wahrheit. Meiner Meinung nach haben sie ein Anrecht auf die Wahrheit. Ich kenne ihre Geschichten und es ist nur fair, ihnen meine Geschichte zu erzählen. Immerhin handelt es sich hier um Schulkinder, denen man ehrlich begegnen kann. Zurück zu meinem Haudegen.. Als er hörte, dass meine Tochter gestorben war, drückte er sich eng an mich, schaute mich an und sagte: „Weisst du, deine Tochter ist jetzt bei Gott. Da wird es ihr gut gehen. Da sitzt sie auf einer Wolke und schaut runter zu uns.“

Sofort schossen mir die Tränen in die Augen. Ich habe nie an Gott geglaubt und ich werde nie an Gott glauben. Doch in diesem einen Moment, beneidete ich dieses Kind um seinen Glauben.

Es wird immer gestern gewesen sein..


 

Ich räume meine Burg auf. Kam in letzter Zeit nicht dazu. Nein, stimmt nicht, ich hatte keine Lust. Ich hatte keine Lust auf Nichts. Und dann sehe ich, dass Seppolog (ein von mir abbonierter toller Blog) stets neue Artikel postet, dessen Niveau jedes Mal gleichhoch ist. Die Artikel sind einfach nur brilliant. Da kann ein Blog wie meiner mit Schnuffeltuch einfach nur in die Ecke kriechen. Ich sitze hier, mache mir Gedanken über drei schief lackierte Nägel und überlege, was ich heute noch esse. Habe aufgehört zu rauchen. Einfach so.  Zu teuer. Seit dem werde ich fetter. Ich gehe noch regelmäßig schwimmen. Aber mein Hausfrauenschwimmen kommt nicht gegen die Kalorien an, die ich mir im Rauchersatz zuführe. Immerhin stehe ich täglich auf. Das muss langen an guten Dingen, die mein Leben erfüllen.

Während ich aufräume, laufe ich immer wieder an den Bildern von Dir in der Wohnung vorbei. Du hängst überall. Und jedes Mal versuche ich, mich zu erinnern, wie Deine Stimme klang, wie Du gerochen hast. Es gelingt mir nur noch selten, Dich klar und deutlich in meinem Kopf zu hören. Das war eigentlich der Supergau, vor dem ich immer Angst hatte. Mich eines Tages nur noch mit Mühe an Deine Stimme, Deinen Geruch und alles andere erinnern zu können. Und jetzt? Ich habe nicht einmal die Kraft, dagegen zu rebellieren oder mich darüber zu ärgern. Ich habe keine Blogeinträge mehr geschrieben, obwohl ich jeden einzelnen im Kopf fertig hatte. Mich an den Rechner zu setzen, Gedachtes zu tippen- all das war mir zu anstrengend. Du fehlst mir immer mehr, je mehr Tage vergehen. Ausser einer Handvoll Menschen aus meinem Umfeld spricht keiner mehr über Dich. Viele „Freunde“ haben mich im Stich gelassen, in der Zeit, in der ich jmd. gebraucht hätte und immer noch brauchen könnte. Ich kann nicht aufhören, diese Begebenheit zu erwähnen, weil ich immer noch so unendlich geschockt darüber bin. Ich war glaub ich die Letzte, die geglaubt hat, dass es mir so ergehen würde. Menschen, die das gleiche Schicksal wie meines ereilt, von denen ich dachte, dass sie mich am allerbesten verstehen würden, haben ihr Leben ohne mich weiter gelebt. Freunde, die ich über ein Jahrzehnt an meiner Seite hatte, waren auf einmal aus meinem Leben verschwunden. Ich glaube, es liegt auch an mir. Ich habe mich verändert. Und doch gibt es Menschen, die mir die Kraft geben, nach vorne zu schauen. Sie sind mein doppelter Boden, richten nicht über mich, nehmen mich wie ich bin. Egal, was passiert, ich weiss, dass sie da sind. Ich habe meine Lektion über Freundschaften gelernt. Es ist egal, ob Du jmd. 10 Jahre oder 1 Woche kennst- Wenn Dein Leben explodiert merkst Du, wer da bleibt, Trümmer aufsammelt und wer nicht.  Nicht viele. Aber die Besten.

Es geht mir nicht schlecht, versteht mich nicht falsch. Es geht mir sogar in Anbetracht der Lage sehr gut. Ich sortiere mich und mein Leben gerade um.Und das tut gut. Dafür bleiben jedoch andere Dinge auf der Strecke- Dinge wie der Blog. Was nicht heisst, dass ich nicht an meine Motti denke. Gestern und heute war die Sehnsucht besonders groß. Aber wem soll ich das erzählen??? Und wer sagt nicht: „Das ist jetzt fast 2 Jahre her. Leidest du immer noch?“

Es wird immer gestern gewesen sein. Und das schreibe ich so oft, bis ihr es verstanden habt.

 

Warte auf mich!


Heute ist wieder einer der Tage, an dem es nicht auszuhalten ist, dass alles so ist wie es ist.. Ich glaube so fühlen sich die Raubkatzen im Zoo. Sie wandern rastlos auf und ab.. gefangen gegen ihre Natur.. würden viel lieber kilometerweite Strecken zurücklegen. Ich dachte, es wird „besser“ , je mehr Zeit vergeht. Aber so ist es nicht. Es wird an manchen Tagen sogar schlimmer.. Ich freue mich, dass meine Amateurvideos doch noch trotz der kaputten Festplatte aufgetaucht sind. Leider wirklich nur die Videos, die in meiner Anfangszeit entstanden. Also nen Grammy bekomme ich dafür nicht. Aber mir sind sie so unendlich wichtig! Ich hoffe so sehr, dass die Links funktionieren!

Intensivstation Mainz

 

Intensivstation Mainz Teil 2

Mainz war nur eine Station. Ähnliche Videos hatten wir von der in den Medien endlich zerfetzten HSK Wiesbaden.  Leider kann ich die anderen Videos wegen begrenztem Datenvolumen nicht bei Vimeo hochladen. Aber ich arbeite daran! Ich möchte euch damit nur einen kleinen Ausschnitt aus unserem Alltagt damals zeigen. Wir waren beide Vollzeit berufstätig, jede freie Minute im Krankenhaus, nicht wissend, wie es weitergeht. Und in der letzten Zeit habe ich nach 8 Std. Arbeit noch 3x die Woche Abendschule gemacht und bis dann zu Motti gefahren.. Um 5:20 Uhr hat wieder der Wecker geklingelt. Ich weiss gar nicht mehr, wie ich das alles gemacht habe….

Meine kleine Motti fehlt mir so unendlich! Warte auf mich!

Treffen mit dem Tod


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Wir haben den 07. Januar 2016… in 2 Tagen wirst Du- oder muss ich wirklich schreiben „würdest Du 8 werden“? Ich merke in manchen Momenten, wie unruhig ich innerlich bin. Je näher der Tag kommt.. versuche, ständig zu verdrängen..und auch das Schreiben fällt mir sehr schwer. Was soll ich schreiben? Ich kann gar nicht oft genug schreiben, dass Du mir unendlich fehlst…lesen will das keiner zum 1000. Mal.

Als ich heute im Auto auf dem Heimweg war,musste ich an eine Situation denken, die ich miterlebt habe und die damals so tiefe Wunden in mich geschlagen hat, dass ich immer noch daran denke.

Ich weiss nicht genau, wann es war. Motti muss ca. 3-4 Jahre alt gewesen sein, als wir (wie fast 5 Jahre insgesamt) im Klinikum mit ihr lagen. Es war schon eine zweite Heimat geworden, denn immerhin hielten wir uns dort mehr auf, als daheim. Zu Schwestern und Ärzte hatten wir schon lange ein vertrautes Verhältnis und was ich besonders daran schätze, war, dass sie stets ehrlich zu uns waren, was den Gesundheitszustand von Motti anging. Und oftmals kamen wir auch über private Belange ins Gespräch. Das Team der Station ist ein stabiles Team (kaum Fluktationen), das viel Spass versteht und bei dem man merkt, dass alle miteinander harmonieren. Umso schneller merkt man, wenn die Stimmung aus irgendwelchen Gründen anders ist. So auch an diesem einen Tag. Es wurde ruhig auf der Station. Die sonst so fröhlichen und scherzenden Menschen hörte man kaum noch. Türen wurden leise geschlossen, die Mitarbeiter unterhielten sich leiser, die Gesichter wirkten traurig. Eine kurze Zeit später bemerkte ich, dass im Nachbarzimmer ein neues Kind zu liegen schien. Generell herrschte in diesem Zimmer viel Betrieb. Schwestern, Ärzte, andere Menschen, die ich nicht kannte sowie die Eltern gingen in dem Zimmer ein und aus.. Ein Schauer lief mir über den Rücken… ich wusste, was da vor sich ging, ich wusste es einfach.. Dieser Junge würde die Nacht wohl nicht überleben.. Und ich saß wie versteinert in unserem Zimmer. Mit meiner Tochter. Und dem Wissen, dass auch uns genau das passieren wird. Wenn ich es doch immer so perfekt verdrängen konnte, so holte es mich genau in diesem Moment mit einer solchen Wucht ein, dass ich nicht wusste, wie ich diesem Tsunami in mir die Stirn bieten sollte. Der Abend kam. Irgendwann sah ich, dass im Nebenzimmer die Jalousie runtergelassen wurde. Ich wäre so gerne gegangen. Einfach weg. Eine Schwester lief mit einer Kerze über die Station in unser Nachbarzimmer. Oh Gott. Alles krampfte sich in mir zusammen. Wenn es mir als „Unbeteiligte“ jetzt so mies ging, wie mies mochte es den Eltern gehen. Als ich Mottis Griesbrei vom Schwesternzimmer holte, betraten ca. 10 Menschen die Station. Alle weinten. Ich beeilte mich, zurück ins Zimmer zu gelangen, fütterte Motti. Ich weiss nicht, ob und wie viel sie gegessen hatte. Ich war völlig abwesend.  Die Stimmung auf der Station war für mich nicht mehr erträglich und so befestigte ich den Sensor des Pulsoxys und ging auf den Steg im Freien, auf dem sich der Raucherbereich befindet. Ich rang nach Luft, atmete mehrmals tief ein. Doch da ging schon die Tür auf. Ein Mann, eine Frau, beide das Gesicht mit Tränen überflutet, traten heraus. Es waren die Eltern des Jungen. Es folgten zwei der Schwestern, ebenfalls Tränen in den Augen. Sie standen da, die Eltern fingen an zu telefonieren, alle rauchten.. Ich hörte, wie der Vater am Telefon sagte: “ Ja, er ist eben gestorben.“ Tränen liefen ihm ohne Unterlass über die Wangen. Irgendwann bekam ich noch mit, dass er dem anderen am Telefon sagte, wo sein Sohn beerdigt wird. Wieso wusste er das schon?? Hat er sich jetzt darüber Gedanken machen können? Ich war so paralysiert, dass ich nicht fähig war, reinzugehen. Tausend Gedanken liefen in meinem Kopf ab. Wie wird das bei uns sein? Hier? Werde ich auch weinen? Nichts ergab Sinn in meinem Kopf.

Ich war so unendlich betroffen.

Und ich kam mir vor, wie jmd., der als Geist in die Zukunft gereist ist und sich sein Schicksal schon einmal anschaut. Wie ich wieder in unser Zimmer gekommen bin, weiss ich gar nicht mehr. Ich bekam erst wieder mit, wie die 10 Menschen weinend die Station verließen. Werde ich auch die Familie und Freunde anrufen, wenn sie gestorben ist? Auf einmal schoss mir Alles durch den Kopf, was ich gekonnt verdrängt hatte. Es war völlig konfus für mich, dass ein Kind hier auf der Station „einfach so“ verstirbt. In meinem Kopf kam ein Kind, das stirbt erst auf die Intensivstation, bis man dort merkt, dass Nichts mehr getan werden kann. Ich weiss nicht wieso, aber das war so in meinem Kopf. Aber da war Motti erst 3/4.. da hatten wir noch nicht das erlebt, was noch folgen sollte. Ich war noch sooo unendlich naiv! An diesem Tag war er so verdammt nah…. der Tod, der ja angeblich zum Leben dazugehört. Der Spruch ist Scheisse!

2 Stunden später sah ich, wie die Schwestern das Zimmer ausräumten, das Bett austauschten, den Nachtisch wechselten im grellen Neonlicht. Der Junge und seine Eltern waren weg. Nichts erinnerte 20 Minuten später mehr an das Leid, das hier heute stattfand. Nichts, ausser den Gesichtern der Schwestern.

 

Philipp Poisel, Eiserner Steg:

Ich atme dich ein
und nie wieder aus.
Schließ‘ dich in mein Herz.
Lass dich nicht mehr raus.

Ich trage dich bei mir
in meiner Brust.
Hätt‘ alle Wege verändert.
Hätt‘ ich sie vorher gewusst.

Jetzt steh ich am Ufer.
Die Flut unter mir.
Das Wasser zum Hals.
Warum bist du nicht hier.

Ich will dich einmal noch lieben
wie beim allerersten Mal.
Will dich einmal noch küssen
in deinen offenen Haaren.

Ich will einmal noch schlafen,
schlafen bei dir.
Dir einmal noch nah sein
bevor ich dich
für immer verlier‘.

Wer achtet auf mich jetzt,
dass ich mich nicht verlauf‘?
Und wenn ich jetzt falle,
wer fängt mich dann auf?

In all diesen Straßen
kenn‘ ich mich nicht mehr aus.
Da ist niemand mehr der wartet…
Der auf mich wartet…
Zuhaus‘

Ich will dich einmal noch lieben
wie beim allerersten Mal.
Will dich einmal noch küssen
in deinen offenen Haaren.

Ich will einmal noch schlafen,
schlafen bei dir.
Dir einmal noch nah sein
bevor ich dich
für immer verlier‘.
Für immer verlier‘.

Für immer, für immer, für immer, für immer, für immer
Für immer, für immer, für immer, für immer, verlier‘

Ich will einmal noch schlafen,
schlafen bei dir.
Dir einmal noch nah sein
bevor ich dich
für immer verlier‘.
Für immer verlier‘.

 

Meine social Bucket List 2016


Das Jahr 2016 hat begonnen.. Ich habe lange über alles nachgedacht und im Moment finde ich mein Leben langweilig und eintönig. Ich überlegte mir, was ich tun kann, um das zu ändern.

Mit Sicherheit kennt ihr alle den Begriff Bucket List. Wenn nicht, googlet bitte, denn leider fand ich keine deutsche Definition. Kurz gesagt ist eine Bucket List eine Liste von Dingen, die man unbedingt noch gemacht haben will/muss, bevor man stirbt.  Ich finde das eine gute Idee, aber ich fange früher an damit;)

Ich finde es schön, Menschen glücklich zu machen. Die ersten Ideen für meine Liste waren schnell gefunden. Einzige Regel hierbei: Es muss einem Dritten zugute kommen!

Auf einer Facebook- Seite (Social Bucket List)

habe ich angefangen, die ersten „things-to-do“ zusammen zu fassen. Ich bin auch hier jederzeit offen für alle realistischen Vorschläge. So ergab sich aus einem Gespräch mit einer alleinerziehenden Mutter, die schlecht laufen kann der Wunsch, dass jmd mit ihr einen Staubsauger und ein Sofa kaufen geht. Sie wohnt in Frankfurt und ich hoffe, dass ich gleich nä. Woche dazu komme. Morgen ist geplant, Nummer 1 abzuarbeiten: Einem Obdachlosen ein Frühstück zu spendieren.

Warum ich das tue? Ist nicht wirklich wichtig. Ich finds gut:)

Schokocrossie


Seit einiger Zeit gehe ich mal wieder ins Solarium. Als die Motte noch nicht auf der Welt war, ging ich regelmässig. Doch dann kam sie. Und mit Kleinkind hat man weder die Zeit dazu, ins Solarium zu gehen, noch die Lust.
Seit ca. 1 Jahr gehe ich nun wieder regelmäßig. Der Beweggrund dafür war eigentlich nicht der Wunsch nach Bräune. Viel mehr fand ich es verlockend, in dieser abgeschirmten Sonnenbank eine Auszeit zu verbringen. Nicht erreichbar, einfach nur mit sich selbst und seinen Gedanken auf kleinem Raum allein sein, sich nicht unterhalten zu müssen und keine Beschäftigung zu haben außer dazuliegen. Ich genoss die Auszeit immer mehr. Es ist meine eigene kleine geplante Gedankenzeit, in der ich ungestört an die Motte denken kann. Deshalb nutze ich sie regelmäßig. Doch die letzten Tage kam ich einfach nicht dazu und das ärgerte mich.
Nie hatte ich die Zeit dafür. Heute hatte ich mir vorgenommen auf jeden Fall zu gehen. Ich also rein ins Solarium. Vor mir steht ein Kerl, weiß wien Mehlwurm und sagt zur Solariumfrau: „Die 1, 20 Minuten.“ Na toll, die 1 ist MEINE Bank!! Die is nix für Mehlwürmer sondern nur vor vorgebräunte Haut.. Arschloch ey.. Naja, jetzt hat er die 1 und ich kann entweder 20 Min. warten oder ne andere Bank nehmen. Beim Blick auf die elektronische Anzeige der Sonnenbankbelegungen sehe ich, dass keine nur annähernd rentable Bank mehr für mich frei ist. Doch was ist das? Die 9 ist noch frei. Sundevil.. hmm kenn ich nicht. Da war ich noch nicht drauf. Aber alles besser als die gurkigen Bänke, die eigentlich für die Mehlwürmer sind. Da geh ich nicht drauf. Etwas trotzig sage ich zur Solariumfrau: „die 9, 30 Minuten.“ Ha, ich bin vorgebräunt, mir macht das nix aus.
Ich betrete Kabine 9, schau das Gerät an und finde es ziemlich klein, eng und kompakt. Gut, dann wird man auch braun. Ich zieh mich also aus, lege mich drunter, zieh den Deckel zu. Das Gerät startet. Im Deckel sind die statt der sonst vorhandenen Röhren die gleichen Lampen wie im Gesichtsbräuner. Holla, das wird lustig.. egal, so schlimm kanns nicht sein.  Wow, die Röhren sind naber schnell warm. Von null auf 100 in 20 Sekunden. Ich liege da, versuche meine Gedanken schweifen zu lassen, denke an Motti. Ist aber echt ziemlich warm. Ob andere das auch so warm finden? Ich merke, wie mein Hintern brennt. Die Liegefläche ist sekundenschnell schier unerträglich warm geworden. Ich rolle mich auf die Seite. Schon besser. Doch nach 30 Sekunden ist es da auch zu warm.
Nach den ersten 5 Minuten suche ich fast panisch den  Button für die Ventilatoren.. ich sehe, dass sie schon volle Kraft laufen. Scheisse, ist das heiss.. Den Gesichtsbräuner hab ich schon gleich auf Minimum gestellt. Trotzdem noch endlos heiss. Der Rücken glüht nach 10 Minuten, ich fange an, in meiner eigenen Soße zu schwimmen.. Ok, dann verlier ich eben 4 kg durch Schwitzen. Ich dreh und wende mich auf dieser kleinen Fläche, die ich zur Verfügung habe und zähle die Minuten..Schade, dass es keinen Livestream hierfür gibt. Ich glaube meine Mutation zum Schlangenmensch hätte jede Menge Zuschauer. Langsam fängts an, verkokelt zu riechen. Jetzt weiss ich, wie sich Bacon in der Pfanne fühlt. Wenn alle Flüssigkeit aus ihm rausfliesst und er sich aufgrund der Hitze zusammenzieht. Ich könnte schwören, dass ich jetzt schon 2cm kleiner geworden bin. Nach 20 Minuten halte ich es nicht mehr aus und öffne den Deckel 2 Handbreit. Oh Gott, Luft!!! Irgendwie hab ich es dann doch noch überstanden und das Vogelgezwitscher war zu hören, was das Ende der Bräunungszeit ankündigt. Ich schäle mich von der Bank, vergewissere mich, dass keine Haut von mir darauf festgebrannt ist, ziehe mich an und gehe.. Ich fühle mich wie ein Schokocrossie. Als ich ins Auto ansteige, dauert es genau 2 Sekunden, bis alle Scheiben komplett angelaufen sind. Uii, ja, ich bin heiss^^.. Lüftung voll aufgedreht, alle Scheiben runtergekurbelt fahre ich als Schokocrossie nach Hause. Das Date mit dem Sundevil war verdammt heiss. Aber auch, wenns das Heisseste war, was mir in letzter Zeit passiert ist, so strebe ich nicht unbedingt nach einer Wiederholung. Das nächste Mal werde ich wieder auf meine Nummer 1 gehen. Auch, wenn ich dafür warten muss.

Selbstreflektion


 

Vorwort

Mit Schrecken habe ich festgestellt, dass dieser Blog von jmd. abboniert wurde, die keinerlei Infos über mich, meine Trauer und mein Leben  erhalten sollte. Nun stellt sich die Frage: Der einzige Weg, den Blog unzugänglich für die Person zu machen, wäre ihn auf privat umzustellen. Jeder, der ihn lesen möchte würde nur über Anfrage einen Link bekommen. Das ist jedoch nicht der Sinn dieses Blogs. Er soll für alle zugänglich sein. Für Menschen, die z.B. oft abends googlen. So wie ich damals. Als ich wusste, dass unser Weg mit Motti irgendwann enden wird. Ich habe so viele Blogs, Foren und Artikel durchforstet. Was ich gesucht habe? Keine Ahnung.. Ich wollte wissen, wie andere „damit“ umgehen… Damals habe ich noch nicht verstanden, ich konnte nur lesen, nicht nachfühlen. Aber dennoch half es. Und deshalb bleibt dieser Blog öffentlich. Ich werde bestimmte Dinge filtern, bevor ich sie schreibe- auch wenn das  meiner selbstgesetzten  Regel widerspricht.

Weihnachten

Das zweite Weihnachten ohne Motti nähert sich mit riesigen Schritten.. Gerade in letzter Zeit merke ich, wie mich die Menschen, mit denen ich im Alltag zu tun habe, mitleidig anschauen. Manchmal äußern sie auch, dass sie mich bemitleiden. Ich hab es nicht gleich geschnallt.. erst einige Zeit später wusste ich warum. Weihnachten naht. Das Fest, an dem scheinbar alle Menschen von einer massiven Mitleidswelle erfasst werden und irgendwelche Helfersyndrome urplötzlich in ihnen geweckt werden.. Es wird an allen Ecken und Enden gespendet, es werden Verhaltensweisen an den Tag gelegt, die mit dem „alltäglichem“ Verhalten nur sehr wenig zu tun haben.. Ach komm, es ist doch Weihnachten! Und auf einmal sieht man wieder die Menschen, denen es schlechter geht, als einem selbst. Und ich meine Menschen, denen es wirklich schlecht geht. Mir geht es gut. Im Vergleich zu anderen. Wieso seht ihr die Menschen an den anderen Tagen nicht?!

Ja, es ist Weihnachten. Das ist der Trauer aber scheissegal. Sie ist IMMER in da. 365 Tage ohne Urlaub oder Festtage. Und sie tut immer weh. Nicht nur  an Weihnachten. Und Mitleid bringt mir nichts.. Ich lebe mit dieser Trauer. Sie gehört zu mir wie ein Körperteil.. Und auf einmal siehst Du das bunte Treiben rund um Weihnachten mit anderen Augen. Ich wünschte manchmal, ihr würdet das durch meine Augen sehen können. Aber dann würde die Tagesschau einen verheerenden Einbruch des Einzelhandelumsatzes melden. Und die Wirtschaft möchte doch bitte angekurbelt sein! Ihr kümmert euch schon darum, dass das so bleibt.

Mit eurer stressigen, hektischen Geschenkesuche in der Vorweihnachtszeit. Ich habe die Leute in den Einkaufszentren beobachtet. Sie rennen und hetzen von einem Laden in den nächsten, riesige Tüten an den Handgelenken, Hunde und Kinder im Schlepptau…Immer auf der Suche nach.. ja, nach was eigentlich?

Du stehst zwischen all den Menschen, die stressig von einem Geschäft ins nächste hetzen, um Weihnachtsgeschenke zu kaufen, an den Händen zerren sie Kinder und Vierbeiner mit. Plötzlich taucht eine bunt verkleidete Weihnachtsparade auf. Durch die Boxen dröhnt der Soundtrack der Eiskönigin. Kinder, deren Augen leuchten, bleiben stehn und schauen staunend und freudig der Parade zu. Eltern zerren die Kinder weiter, schenken den aufwendig Kostümierten keine Beachtung.. wollen ins nächste Geschäft.. denn noch hat man noch nicht alle Geschenke..

…und ich stehe da, mit nichts als einer Tüte an der Hand.. zu gern hätte ich Mottis strahlende Augen neben mir gehabt, würde das alles so gern mit ihr erleben. Weihnachten ist definitv nichts mehr für mich..

Es ist das zweite Weihnachten ohne Motti. Ja, aber umso wichtiger ist es dieses Jahr für mich, Zeit mit meinen „Lieben“ zu verbringen. Ein persönlich einschneidendes Erlebnis hat mich wachgerüttelt und mich daran erinnert, jede Sekunde zu nutzen, die wir mit den Menschen noch haben. Zu schnell kann man dafür keine Zeit mehr haben.

Mein Apell an euch: Genießt die Zeit, die ihr mit euren „Lieben“ habt, denn sie ist zu schnell vorbei und nichts kann noch gesagt oder getan werden, was man versäumt hat.

 

 

 

Aktion Lichtpunkt


Leider habe ich zur Zeit keinen PC mehr  und kann deswegen nicht so oft bloggen wie ich gerne würde..  Für einen neuen PC muss ich noch ein bisschen sparen..  Deshalb versuche ich euch über Handy wenigstens das Neuste mitzuteilen.  Die Aktion Lichtpunkt hat meinen Bericht veröffentlicht, den ihr ja auch schon vom Blog her kennt.

Warum ich das alles mache?

Weil ich Angst habe, dass Motti vergessen wird .  Klingt vielleicht am Anfang sehr trivial,  aber für mich, die ihr Kind verloren hat, ist dies nun mal die größte Angst.  Ich versuche demnächst öfter über Handy Blog Artikel zu schreiben.  Leider ist das sehr mühsam und unübersichtlich.  Aber es gibt nichts, was nicht geht 😜 .  Nun kommt die Adventszeit..  Eine sehr traurige Jahreszeit  wenn man das Liebste in seinem Leben verloren hat.  Aber ich mache unbeirrt weiter,  kämpfe jeden Tag ums Überleben.  Ich freue mich wirklich sehr, wenn viele Menschen unserem Blog abonnieren.

Die Abrechnung, die ich machen muss, um nicht daran zu ersticken


Seit Motti nun nicht mehr bei uns ist, habe ich versucht, all die hirnlosen und dummen Kommentare, die „Nicht-Taten“ angeblicher Freunde und so viel mehr zu ignorieren, aber ich merkte schnell, dass all das immer wieder hoch kam. Die Wut wurde immer größer. Ich habe versucht, drüber zu stehen, Verständnis auf zu bringen für die „Anderen“, habe mir eingeredet, dass sie nur unsicher sind im Umgang mit mir und meiner Trauer. Aber mal ganz ehrlich? Es ist nicht so, dass diese Menschen aus Unsicherheit etwas Falsches getan haben, nein, sie haben NICHTS getan. Ich habe lange überlegt, ob ich all das wirklich so direkt benennen soll. Und ja, ich finde es wichtig. Verlieren kann ich nichts mehr. Ich habe gelernt, wer wirklich hinter mir steht! Vielleicht mag dieser Satz abgedroschen klingen, aber es ist wirklich so. Ein Schicksal wie das hier, lässt einen die Bezeichnung „Freunde“ komplett überdenken. Nein, verbittert bin ich nicht, sondern eher aufgewacht. Und die Wahrheit ist meist kein angenehmer Zeitgenosse.

Ich erwähne bewusst keine Namen, denn ich möchte hier niemanden bloßstellen, obwohl meiner Wut dies gut tun würde. Aber ich hoffe, dass die betreffenden Personen sich hier erkennen und vielleicht anfangen, sich und ihr Verhalten zu reflektieren.

Als meine Motte starb, stand urplötzlich eine meiner „damals unter anderem beste Freundin“ betitelte Frau vor meiner Tür, nachdem wir über 2 Jahre keinen Kontakt hatten.Und der Satz, der in den ersten 10 Minuten von ihr kam, war: „Ich weiss, wie Du Dich fühlst, wir haben unseren Hund auch gerade einschläfern müssen!“ Die Dreistigkeit und Unverschämtheit dieses Satzes zu definieren erübrigt sich hier für mich. Am liebsten hätte ich dieser Person eine Ohrfeige gegeben, denn genauso fühlte es sich für mich an: wie eine Ohrfeige. Ich versuchte, diese Bemerkung irgendwie zu verdauen, aber auch jetzt noch, 1,5 Jahre später habe ich das Gefühl, daran zu ersticken. Wenn ich daran denke, schnürt es mir die Kehle zu. Wie kann es jmd. wagen, einen Vergleich zwischen dem Tod meiner Tochter und dem Tod eines Hundes zu ziehen?!!!

Andere Freundinnen, die ich ebenfalls zum Stamm meiner besten Freundinnen gezählt hatte, meldeten sich in den ersten 2 Wochen nach Mottis Tod, sind mit mir ab und zu mal weggegangen. Eine der Personen sagte zu mir: „Wenn mir das passiert wär, ich glaub ich hätt mich umgebracht. Du hast ja jetzt gar nichts mehr und bist ganz allein!“ Zumindest mit dem letzten Satz hatte sie meine momentane Gefühlslage beschrieben. Es kostete viel Kraft, sich bewusst zu werden, dass dem nicht so ist. Von den angeblichen Freundinnen bröckelte nach und nach jede weg. Und nach der Beerdigung habe ich nichts mehr von irgendeiner Freundin gehört. Alle waren/sind mit ihrem eigenen Leben beschäftigt, posten fleißig Bilder von ihren Erlebnissen/Kindern. Es ist nicht so, dass ich es ihnen nicht gönne. Nein, im Gegenteil. Ich freue mich, dass anderen so ein Schicksalsschlag wie unserer erspart bleibt. Es ist eher die Enttäuschung über die Menschen, die sich jetzt so verhalten, wie oben beschrieben. Man kommt sich als verwaister Elternteil vor, wie eine Aussätzige. Keiner integriert einen, keiner meldet sich mehr. Es gab 5 Menschen, die vor Mottis Tod die Bezeichnung „engster Freundeskreis“ trugen. Nun hat sich das geändert. Die angeblichen Freunde sind nun von mir aussortiert worden. Ich habe mich auf die Menschen konzentriert, die mich als Mensch immer noch schätzen und die hinter mir stehen, egal, was passiert.

Und das war zwischen all den Negativerfahrungen der Grund, weiter zu machen. Ich habe ein paar wenige Menschen, die mich so nehmen, wie ich jetzt bin. Mit all der Traurigkeit und all meinen anderen Facetten. Familie hält eben doch immer zusammen. Und auch echte Freunde habe ich noch. Unter anderem meine Einzige und Beste, die mich um jede Uhrzeit in jeder Verfassung nimmt, die mich teilhaben lässt an der Entwicklung ihres Kindes;) . Ebenfalls einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben, der unter den Begriff Familie fällt, ist Chris. Der beste Vater der Welt, der einzige Mensch, der mich in und auswendig kennt, mit dem ich auf eine Art verbunden bin, die niemals ein anderer Mensch erreichen wird, der Einzige, der den gleichen Schmerz spürt wie ich…. Geh niemals fort!

Aber auch nicht so präsente Personen im Umfeld geben Halt.. Von denen ich weiss, dass ich auch dort zu jeder Uhrzeit anrufen/schreiben kann.. Danke Andy, Frank, Daniela, Susanne, Irina, Stephan, Eva… Ich habe Angst, jemanden vergessen zu haben.. Denn dieser Blog wurde mit viel Emotionen geschrieben. Sollte ich tatsächlich jmd. vergessen haben, sorry:) Und siehe da, doch noch einige, die es mehr als verdient haben, in meinem Leben zu bleiben 🙂 Und auf die Menschen, die mich seit Mottis Tod so hängengelassen haben- Scheiße ich! Ich hoffe nur so sehr, dass ihr anfangt, euch selbst zu reflektieren, eure Oberflächlichkeit ablegt und anfangt zu sehen.

5 Menschen entlasse ich nun aus meinem Leben. Sorry, ihr seid unmöglich. Ich habe mich so sehr in euch getäuscht. Ich wünsche euch weiterhin ein „gutes Leben“, denn mit echten Problemen wärt ihr nicht fähig, zu überleben.

Und meiner Familie und meinen Freunden verspreche ich, mehr Zeit mit ihnen zu verbringen und immer hinter ihnen zu stehen, egal, was auch passiert. Manchmal muss man eben durch Täler gehen, damit es wieder bergauf geht:)

Verwaister Elternteil mit Angst vor dem Vergessen


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Diesen Blogeintrag habe ich bereits Anfang September geschrieben, aber ich habe ihn als Entwurf gespeichert. Er war noch nicht so, wie ich ihn haben wollte.

Wenn dein Kind stirbt ist das wie eine Sprengung deines Lebens. Nichts ist mehr so wie es war. Es ist über ein Jahr her- aber es wird immer gestern gewesen sein. Immer. Versteht das bitte und erspart euch einen Kommentar, wenn ihr mit jemandem sprecht, der sein Kind verloren hat. Urteilt nicht über die vergangene Zeit, denn für uns verwaiste Eltern hat sie keine Bedeutung. Es ist gestern gewesen. Es wird immer gestern gewesen sein.

Du bist von einem Tag auf den anderen ein verwaister Elternteil. Dieses Wort kannte ich vorher in diesem Zusammenhang nicht. Ich kannte den Ausdruck bei Kindern, deren Elternteil/Eltern gestorben sind, als Halbwaisen oder Vollwaisen. Aber ich wusste nicht, dass es für Eltern, deren Kind gestorben ist, ebenfalls einen eigenen Begriff gibt. Zumal es ja auch „eher seltener der Fall ist, dass die Kinder vor den Eltern sterben“ . Zumindest gesellschaftlich gesehen. Wenn man sich jedoch in die Kreise der „verwaisten Eltern“ begibt, erschrickt man immer wieder über die Zahl verwaister Eltern.

Ich musste so viel Neues lernen. Und ich musste mich mit meiner neuen „Rolle“ (mir widerstrebt dieses Wort, aber ich finde kein passenderes) als verwaister Elternteil  auseinandersetzen. Auf einmal merkte ich, dass ich irgendwie nicht mehr so in mein altes Leben und in die Gesellschaft passe. Ich habe Dinge erlebt, die manch anderer nicht erlebt hat und hoffentlich auch nie erleben wird.. Daraus ergibt sich oft der Blick aus einer anderen Blickrichtung auf die Dinge, als andere ihn haben. Man verändert nicht nur den Blickwinkel, sondern alles verändert sich.. Ich glaube, es ist der schwierigste Teil, jemandem etwas zu erklären, was man oft selbst nicht richtig greifen/beschreiben kann….

Ich habe wirklich mit allem Erdenklichen versucht, mich abzulenken, mein Leben zu leben. Ich habe mehr gearbeitet, ich habe meine Freizeit mit allem Möglichem gefüllt, ich habe mir den Tag vollgeknallt mit tausend verschiedenen Dingen, ich hab mir Zeit genommen für die Trauer- immer wieder, habe mir Ruhe- und Entspannungsphasen gegönnt… Und doch verschwindet es nicht, dieses traurige Gefühl in mir. Es ist immer da. Wie ein Schatten. Ich kann nicht davonrennen, ich kann mich nicht davon auffressen lassen.. Irgendwie finde ich keine Lösung, wie man mit diesem Gefühl leben kann. Ja, klar, ich gehe arbeiten, ich mache etwas in meiner Freizeit.. aber glücklich sieht anders aus. Ist das so, dass man nicht mehr wirklich glücklich sein kann? Das eigene Kind fehlt so sehr..Sie fehlt so unendlich.. Und die Angst vor dem Vergessen beherrscht mich ständig. Alle meine selbst erstellten Filme, Photos, Videos von ihr sind weg- von einer Sekunde auf die andere. Weil die Festplatte so kaputt ist, dass sie sich nicht einmal mehr dreht. Datzenrettung unmöglich. Die Priorität und das Geld für eine Externe war leider nicht da. Ich war zu dämlich und zu naiv, alles vorher zu sichern. Ich dachte, dass mir so etwas nicht passiert. Nun liegt sie hier, die Festplatte. Verhöhnt mich in meiner Trauer. Aber meine Bilder sind im Kopf- und ich hoffe, ich werde meine sie nie vergessen- auch, wenn ich manchmal schon nicht mal mehr weiss, wie ihre Stimme klang.

Motti, ich liebe Dich! Warte auf mich!

 

Nach Hause kommen


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Lange war es hier sehr still.. Ich habe nicht viel geschrieben, da ich mit den Prüfungen für den Fachwirt beschäftigt war, habe gearbeitet.. Und mir wird nach und nach bewusst, wie fertig ich von all dem Stress der letzten zwei Jahre bin.Ich habe täglich 8 Stunden gearbeitet, danach in die Abendschule 3 mal die Woche bis 21:15 Uhr/19:45 Uhr, dann auf die Intensivstation, am Wochenende Ausarbeitungen geschrieben- teilweise im Krankenhaus.. Wie ging das??? Keine Ahnung. Ich war wahrscheinlich wie der Duracell-Hase… einfach weitergemacht, während alle anderen aufgegeben hätten, weil die Batterien leer waren.. Die Anstrengungen der letzten 2 Jahre immer wieder niederzuschreiben machen sie für mich erst begreiflich.. Und es zeigt mir, wie stark ich wirklich bin. Sie geben Kraft, weiterzumachen. Ich bin noch lange nicht am Ende, ich brauch nur ab und an mal eine kleine Verschaufpause. Bis jetzt habe ich noch keine neue Beschäftigung nach der Arbeit gefunden. Ich hatte etwas gefunden: Besuchsdienst mit Hund bei alten und behinderten Menschen. Leider ist mein Wackeldackeltröstehund dafür schon zu alt. Ich hatte mir eine Hündin aus dem Tierschutz ausgeguckt. Aber die wurde vermittelt, obwohl ich sie bekommen sollte. Eine andere Hündin wurde ebenfalls anders vermittelt.. Nun ja, den Traum habe ich aufgegeben, für meinen alten Hund noch eine Lady zu finden und Menschen mit einem Hund Freude zu bereiten. Aber so ohne Ziel lebt es sich im Moment ziemlich bescheiden. Ich arbeite, gehe mit dem Wackeldackel durch die Wälder, lege mich auf die Couch und starte das Ganze nach  6 Std. von vorn..

Seit meine Motte nicht mehr da ist fühle ich mich sehr oft einfach nur übrig. Wie ein einzelner Schuh, von dem man den anderen verloren hat. Es macht nicht viel Sinn, den Schuh aufzuheben. Denn es gibt Dinge, die werden einfach nur als Paar verkauft.. Schuhe, Socken, Handschuhe.. Selbst wenn ich das gleiche Paar Schuhe erneut kaufen würde, so hätte ich drei- und das wäre einer zu viel. Und wie gesagt, im Moment fühle ich mich gerade etwas übrig. Ohne Aufgabe ist es schwer, motiviert zu sein. Vorher war ich immer in irgendeinem Krankenhaus. Mannheim, Wiesbaden, Mainz. Es war irgendwann so eine Art Zuhause. Seit die Motte nicht mehr da ist, war ich nicht mehr im Klinikum Mannheim, in dem wir bestimmt 5 1/2 Jahre verbracht haben. Bis eine Freundin mich dort brauchte.Ich freute mich, an diesen Ort zurückzukehren. Ich hatte Angst, an diesen Ort zurückzukehren.  Ich fuhr wie damals durch die Krankenzufahrt, der Pförtner, der uns seit 5 1/2 Jahren kannte, winkte fröhlich. Er hatte mich scheinbar noch nicht vergessen. Ich parkte und betrat das Gebäude. Der vertraute Geruch stieg mir in die Nase. Es war, wie wenn man nach Hause kommt. Alles so vertraut, angenehm.

Trotz der schlimmen Zeiten, die wir dort erleben mussten, war dies immer ein Ort der Zuflucht, des Verständnisses für uns. Ein Ort, an dem wir ein Stück weit loslassen konnten, weil alle dort die Motte kannten. Sie wussten, wie sie ist, was sie mag und was nicht, wann es ihr schlecht ging und wann gut. Sie haben sie „lesen gelernt“. Es tat unendlich gut. Wir waren nicht mehr die Einzigen, die sie kannten und das erste Mal waren wir für ein paar Stunden entbehrlich. Und wir nutzen dies.

Die Station auf der beide lagen war eine Station unter „unserer“ Station.Also würde ich wohl sehr wahrscheinlich keinem bekanntem Gesicht begegnen. War das gut oder schlecht? Keine Ahnung. Ich betrat das Zimmer, in dem der Sohn meiner Freundin lag und musste lächeln. Alles machbar. Eine aufgelöste Mama, ein vom Schrecken gezeichnetes Kind- aber nichts, was wir nicht hinkriegen könnten mit ein paar Gummibärchen und einem offenen Ohr:) Und ich konnte vielleicht etwas Trost spenden. So hoffe ich es zumindest. Als ich während der Visite auf den Gang trat, um den beiden die Privatsphäre währenddessen zu gönnen, schaute mich eine junge Schwesternschülerin für mich „merkwürdig“ an. Zwei Sekunden später sagte sie: „Ich kenn Sie irgendwoher…Sie sind die Mama von der Motte, gell?“ Ich brauchte ne Minute, um das zu verarbeiten. Da fügte sie schon hinzu: „Ja, die Julia war ja Inventar bei uns. Ich hab an ihr meine Prüfung abgelegt. Und dass sie im Mai gestorben ist, hat mich unendlich traurig gemacht. JEDER hier kannte und liebte sie.“ Sie hatte den Satz noch nicht beendet als ich merkte, wie mir das Blut in den Kopf stieg, die Augen sich mit Tränen füllten und ich anfing zu schlucken. Welche Mutter wünscht sich nicht, dass jemand so über sein Kind spricht?! Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Ich sah sie an, nahm sie in den Arm und dankte ihr. Dann wünschte ich ihr noch viel Erfolg für die Endprüfung und ging völlig perplex ins Zimmer zurück. Meine Gedanken überschlugen sich. Ich spielte mit dem Gedanken, noch kurz auf „Mottis Station“ vorbeizuschauen, bevor ich ging, verwarf dies aber. Es gibt noch so viel Zeit dafür. Ein Zuhause wird immer ein Zuhause bleiben- egal wie lang man nicht mehr dort war.

Noch 2 Tage……..


2 Tage. Noch 2 Tage Schule, dann noch 3 mündliche Prüfungen. Dann bin ich endlich

Fachwirtin für Organisation und Führung.

Wow. Irgendwie ging´s. Trotz Krankenhaus, trotz Hospiz, trotz Beerdigung.. Und doch hätte ich die letzten Meter nicht geschafft, wenn da nicht jemand gewesen wäre, der mir regelmäßig „in den Hintern“ getreten hätte, als die Luft kurz vorm Ziel ausging….wenn nicht jmd. mit mir bis sehr spät abends am Pc gesessen hätte- tagelang. Danke!! Ich danke euch dafür! Und ich danke dem Dreikäsehoch;) Er zeigt einem immer wieder, dass man trotz allem lachen kann:) Und der Dreikäsehoch hat seine Mama und seinen Papa für diese Zeit entbehrt für mich.

Und nun ist die Schule fast rum und ich habe noch keine neue Beschäftigung gefunden. Ich suche und suche…Ehrenämter- im Behindertenbereich am liebsten, Hospizarbeit, Altenpflege, Notfallseelsorge.. Irgendwas muss es doch geben…. Sollte jmd. etwas davon kennen, würde ich mich über Kontaktdaten freuen.

Bis dahin muss ich mich einfach dem Alltagstrott fügen…

Er kotzt mich so an. Aber nur ich kann das ändern!

Die Zeit und die „Anderen“


IMG_0772Seit Tagen denke ich daran, dass ich noch den Aprilblog schreiben will. Doch bis jetzt war um mich herum so viel los, dass ich nicht einmal dazu die Ruhe fand. Als ich heute von der Arbeit nach Hause fuhr, hatte ich mir fest vorgenommen, ihn heute zu schreiben. Nachdem der Haushalt erledigt war, hatte ich schon aus Faulheit vor, den Blogeintrag auf morgen zu verschieben. Doch als ich meine Emails kurz checkte, sah ich, dass jmd. auf dem Blog einen Kommentar hinterlassen hat. Da dies in letzter Zeit immer seltener vorkam, nahm ich dies als Zeichen und nun sitze ich hier und schreibe doch:) (Danke an Alex (unbekannterweise)).

In 3 Tagen ist es soweit. Es ist dann 1 Jahr her, seit Motti ihre Reise zu den Sternen ohne uns antrat. Und damit beginnt wieder eine neue Zeitrechnung. Zumindest in den Köpfen der „Anderen“. Ich habe vor diesem Zeitwandel Angst. Denn er bedeutet, dass der Schmerz sich in den Köpfen der „Anderen“ von „frisch oder gerade erst “ etappenweise in „ist schon übern Jahr her, schon ziemlich lang oder vor ´ner ganzen Weile“ verwandelt, wenn sie sich über Dich oder mit Dir unterhalten. Aber für Dich selbst ist es eben immer „gerade erst“ und Du wirst wütend, weil „Andere“ sich das Recht heraus nehmen, Deinen Schmerz an etwas Abstraktem wie Zeit zu kategorisieren/messen. Vielleicht ist es ungerecht, so zu urteilen. Aber wie oft habe ich das selbst bei mir in der Rolle der „Nichtbetroffenen“ beobachtet… Sehr oft.  Wie oft habe ich mich gewundert, dass ältere Frauen noch sehr viel länger als von der damaligen Gesellschaft „erwarteten Zeit“ nach dem Tod ihres Mannes (mit dem sie ein Leben lang verheiratet waren) schwarze Kleidung trugen… Sehr oft….                                                                                                                                                    Auch sie standen noch im „gerade erst“. Und erst jetzt kann ich all das verstehen.

Doch wenn man in der Gesellschaft hinschaut, entdeckt man mehrere Formulierungen, die die Zeit in den Köpfen anderer „verändern“ sollen. Man schaue sich Kleinkinder an. Da sagt man selten: „Sie ist jetzt 1 Jahr und 4 Monate.“ Nein, meist heisst es: „Sie ist 16 Monate alt“. Macht diese Formulierung das Kind nicht im ersten Augenblick noch babyhafter/jünger? Dasselbe Prinzip, diesmal wird aber nicht der Zeitfaktor versucht zu verändern, sondern die Größenvorstellung.  Z.B. bei Preisschildern. Wieso entstehen Preise wie 1,99€ anstatt 2,00€? Welche Variante hört sich wohl eher nach einem „Schnäppchen“ an?! Wenn man genauer darüber nachdenkt, findet man noch andere Beispiele dafür, wie versucht wird, Dinge im Denken „Anderer“ zu verändern. Vielleicht denkt ihr, dass dies alles etwas zu abstrakt ist. Mag sein. Und was hat das alles mit Motti zu tun?

Ich sehe mich jede Sekunde gegen die Zeit kämpfen. Ich möchte nicht, dass die Zeit vorbeirennt und mein Schmerz von „Anderen“ kategorisiert wird. Es ist und bleibt „gerade erst“! Zumindest heute und morgen- und die anderen Tage. So lange, wie es dauert. Aber es strengt an, ständig dagegen ankämpfen zu wollen. Es wäre schön, wenn viele Trauer und den damit verbundenen Schmerz nicht an etwas wie Zeit festmachen würden. Trauer bleibt, Zeit vergeht.

Ich freue mich auf den 1. Mai. Ich weiß, dass wunderbare Menschen Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um diesen Tag mit mir zu verbringen. Und ich danke euch dafür. Dafür, dass für uns der 1. Mai nun der offizielle Mottitag (sogar ein eingetragener Feiertag!) ist. Und ich weiß, dass dieser Tag nicht von Schatten geprägt sein wird sondern von Freundschaft und Wärme.

Alles eine Frage der Interpretation


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Vor Kurzem sagte einer zu mir: „Es tut mir leid, dass Du Deine Tochter verloren hast.“

Ich habe meine Tochter nicht verloren!
Denn man verliert etwas, wenn man nicht genug darauf aufpasst!!! Man verliert etwas, wenn man es unachtsam behandelt! Man verliert etwas, wenn es nicht wichtig genug ist!

Wir haben als Eltern alles getan, was wir tun konnten. Sind oftmals gegen Wände gerannt, haben uns oft durchsetzen müssen.. bei Krankenkassen, Behörden, Arbeitsplatz und allem was eine Rolle spielt, wenn man ein behindertes Kind hat, dessen Lebenszeit in eine Sanduhr passt. Wir haben gekämpft, als Eltern- als getrennt lebende Eltern. Haben keinerlei Schlammschlachten geführt, waren beide stets bei ihr, haben uns einigen können. Und ich kann sagen: Motti hatte den besten Vater, den ein Kind sich je wünschen kann. Das habe ich immer gesagt und stehe dazu. Wir haben unseren Alltag gemeistert, sind Vollzeit arbeiten gegangen, nebenbei Fortbildungen, danach Krankenhaus- die letzte Zeit von einer Intensivstation auf die andere. Von Frankenthal nach Wiesbaden, von Frankenthal nach Mainz und Mannheim. Mit Laptop auf Intensivstation am Bett gesessen und 2o Seiten Facharbeit geschrieben. In Handschuhen, Kittel und Mundschutz.. Mit Schwestern, Pflegern, Ärzten, Familie und Freunden haben wir an der Front gekämpft. Nebenbei die Gespräche über lebenserhaltende Maßnahmen geführt, Röntgenbilder bewertet, Maschinen und Vorgänge kennengelernt.. habe mich gefühlt, als würde ich gerade ein Medizinstudium in 8 Monaten absolvieren. Ich saß im Hospiz mit Motti auf meinem Bauch im Sessel und lernte für die Rechtskundearbeit (in der ich dann eine 1 schrieb.). Doch all unsere Liebe konnte dieses beschissene Ende nicht aufhalten.

Der Schlüssel zu einem „Leben danach“: „Wenn Du akzeptierst, was Du nicht ändern kannst!“

39 Buchstaben- die schwerer zu begreifen sind als Alles, was man je kannte!!! Versucht es trotzdem!! Denn nur so kann man irgendwann ein Leben danach „überleben“, ohne daran zu Grunde zu gehen.

Übermorgen schreibe ic h eine Arbeit über das Thema: Leben mit einem behinderten Kind… Welch ein Hohn. Leider im Lehrplan vorgesehen. Abwarten!

Motti, ich liebe Dich so sehr! Warte auf mich!!!!

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Dein erster Sternengeburtstag im Himmel


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Wie wird er wohl, der erste Sternengeburtstag von Dir? Das habe ich mich nicht gefragt. Denn ich wusste, dass er schön wird. Gespickt mit Erinnerungen an Dich, die mir ein Lächeln ins Gesicht zauberten. Es war wunderschön. Ich war kein verheultes, zusammengesunkenes Häufchen Elend auf der Couch. Vielleicht können das jetzt manche Menschen, die auch ein Kind verloren haben nicht nachvollziehen. Aber so wie dieser Tag war Motti- fröhlich, zufrieden, glücklich- so lange es ihr gut ging. Ich glaube kein Kind will seine Eltern unglücklich sehen. Und ich glaube fest daran, dass Du von da oben auf uns geschaut hast und gedacht hast: Die spinnen wirklich:) Und dass es kein Tag mit Taschentüchern auf der Couch wurde habe ich 5 Menschen zu verdanken. Zwei tolle Frauen, die den Tag mit mir verbrachten und sich mit mir erinnerten, mit denen man über alles reden kann. Einem tollen Mann, der sich Urlaub genommen hatte um auf sein Kind aufzupassen, damit seine Frau Zeit für mich hat und meinen Eltern, die sich trotz schlechtem Wetter auf dem Friedhof einfanden.

Wir fuhren zum Baumarkt, schleppten 40 kg Steine auf den Friedhof um Dein „irdisches Bett“ umzugestalten. Rumsitzen und heulen kann jeder- 40kg Steine schleppen und bei Orkanböen auf dem Friedhof mit absolut dreckigen Fingern lachend und fröhlich in der Erde wühlen- das können nur durchgeknallte Powerfrauen. In geballter Dreierfrauenpower rückten wir aller Widrigkeiten zum Trotz auf dem Friedhof an. Deine Oma und Dein Opa machten sich auch zu Dir auf den Weg. Und Du hast jetzt einen Engel mehr, der Dein Bett beschützt. Das ein oder andere botanische Fachwissen wurde entdeckt, wir stellten fest, dass doch jeder von uns irgendwie gestört ist und wir meiden nun ungerade Zahlen (Sorry Insider:)). Nachdem dann die zwei Hobbybotaniker den Rest der Pflanzen mit ihren Senk-Platt-Spreizfüßen zufällig zermatscht hatten, wir die Deko noch liebevoll verteilt hatten, machten wir uns dreckig aber glücklich auf den Heimweg.  Wir redeten viel über Dich und so manche Erinnerung hat mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Ich rede so gerne über Dich und Du bist hier unten unvergessen. Du bist bei mir. Immer.

Wir ließen Den Tag gemütlich ausklingen, folgten dem Ritual „wir müssen uns noch dreimal das selbe kaufen“ ( als Motti starb kauften Katrin und ich uns Erinnerungsarmbänder)- diesmal waren es drei gleiche Schlüsselanhänger.

Und nun sitze ich hier, denke an Dich und bin glücklich, dass ich so ein wunderbares Kind habe. Du bist das Beste, was ich je erlebt habe und das wird niemals anders sein.

Ich liebe Dich, meine kleine, wunderbare, starke Motte!!!!

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Wahre Worte… gruselig verpackt


https://www.youtube.com/watch?v=_kOyV93rPsM

Das Lied empfand ich beim ersten Mal hören echt Gruselig.. traurig, fremd. Doch je öfter ich es hörte, umso mehr verstand ich die Botschaft. Zumindest für mich.

Thomas D.

An alle Hinterbliebenen Songtext

Das hier geht an alle Hinterbliebenen,
an alle über den Tod hinaus Liebenden.
Das hier geht an alle Hinterbliebenen,
an alle über den Tod hinaus Liebenden.

An jene, die am Leben geblieben sind,
um Trauer zu tragen.
So wahr wir verschieden sind,
ich möchte euch sagen,
dass ich weiß, wie ihr euch fühlt.
Da wird der Boden unter Einem einfach weggespült,
wenn etwas Großes wie der Tod
sich durch das Leben wühlt
und dennoch dauert es Tage,
bis man irgendwas fühlt,
bis man verletzt am Boden liegt.

Was soll dich jetzt noch berühren?
Du hast verloren, was du liebst
und diese Leere lässt dich spüren,
dass du lebst.
Wie grotesk.
Wie verzehrt sich Liebe in Schmerz,
zerfetzt dich und bricht dir das Herz.

Und du zitterst und frierst und
dir ist kühl von innen
und du kriegst das Gefühl,
nei wieder lieben zu können.
Auf diese Ohnmacht folgt Wut,
die kaum Grenzen kennt.
Das ist die Liebe,
die in deinem Herzen brennt.
Und obwohl du sie kennst, die Zeit
und ihre Regeln,
steht das dem Leid dem Moment
nicht entgegen.
Also lässt du es zu,
und es dringt in dich ein.
Du wehrst dich nicht mehr,
du lässt es herein.

Und dann begreifst du,
wenn du daran nicht zerbrichst,
dann reifst du.
Und dann entdeckst du,
wenn du das überstehst,
dann wächst du.

An alle Hinterbliebenen.
Das hier geht an alle Hinterbliebenen,
an alle über den Tod hinaus Liebenden.

Damit ihr mit den Schmerzen nicht
allein seid,
mein Beileid,
aus tiefstem Herzen,
mein Beleid.
Und bis ihr von den Schmerzen befreit seid,
aus tiefstem Herzen, mein Beileid.

Damit ihr mit den Schmerzen nicht
allein seid,
mein Beileid,
aus tiefstem Herzen,
mein Beleid.
Und bis ihr von den Schmerzen befreit seid,
aus tiefstem Herzen, mein Beileid.

Das hier geht an alle Hinterbliebenen,
an alle über den Tod hinaus Liebenden.
Das hier geht an alle Hinterbliebenen,
an alle über den Tod hinaus Liebenden.

An jene, die am Leben geblieben sind,
um Trauer zu tragen.
So wahr wir verschieden sind,
ich möchte euch sagen,
keine Schmerzen dieser Welt können von Dauer sein
und keiner ist mit seiner Trauer hier allein.

2014 im Rückblick


Die WordPress.com-Statistik-Elfen haben einen Jahresbericht 2014 für dieses Blog erstellt.

Hier ist ein Auszug:

Die Konzerthalle im Sydney Opernhaus fasst 2.700 Personen. Dieses Blog wurde in 2014 etwa 9.300 mal besucht. Wenn es ein Konzert im Sydney Opernhaus wäre, würde es etwa 3 ausverkaufte Aufführungen benötigen um so viele Besucher zu haben, wie dieses Blog.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

500g Hackfleisch


Das erste Weihnachten ohne Dich. Das erste Weihnachten ganz allein. Ich hab es so gewählt. Ich wollte mich selbst sortieren, wollte das tun, was mein Inneres mir sagt. Und auf einmal erschienst Du mir noch weiter weg als sonst. Habe lange kein Zeichen mehr von Dir bekommen. Und die Sehnsucht brennt sich in mir immer tiefer ein. Würde Dich gerne noch einmal im Arm halten.. Die Feiertage  wären für verwaiste Eltern am Schlimmsten sagt man. Aber diese Tage sind genauso beschissen wie alle anderen. Gibt es denn Abstufungen von beschissen? Für mich ist beschissen einfach beschissen und nicht mehr oder weniger.

Du bist weg. Deine Seele fliegt hoffentlich zwischen vielen bunten Schmetterlingen frei und unbeschwert irgendwo im Sonnenlicht herum.. ok, das hat mit Realismus nichts zu tun. Aber wer braucht schon Realismus in einer Emotion wie Trauer? Keiner. Ich geh ja auch nicht zum Metzger und sage ich hätte gerne 500g Hackfleisch von einem ungeschlachteten Tier. Manches GEHT HALT NICHT. Und dessen sollte man sich bewusst sein. Jetzt kommt noch Sylvester. Das Jahr, indem sich alles veränderte geht vorbei. Und was kommt dann? Ich weiss es nicht.. Aber viel Schlimmes kann nicht kommen, das war alles dieses Jahr. Man verliert Menschen in seinem Leben. Bei einigen ist es gut so, bei anderen zerreisst es dich.. Aber auch das werde ich schaffen. Ich befinde mich anscheinend in einer Selbststudie, um rauszufinden, wieviel Leid ein Mensch erträgt… Doch man sollte beachten:

Menschen werden gefährlich, wenn sie an ihren Aufgaben wachsen müssen!!!

Die Tage ohne Dich


Du fehlst!!! Jede Stunde, jede Minute, jede Sekunde in meinem Leben… Einem Leben, dass so nicht mehr viel an Qualität besitzt. So musst Du Dich gefühlt haben. Einfach atmen bis zum nächsten Tag… Es tut mir so unendlich leid, dass ich Dir all dies nicht abnehmen konnte. Ich hätte es so gern für Dich getragen!!! Was ist der Tag ohne Dich? Leer, ohne Ziel, nichtssagend.. Und ich atme weiter, versuche mein Bestes jeden Tag zu geben.

Joanna Newsom- Baby Birch


This is the song for Baby Birch.
I will never know you.
And at the back of what we’ve done,
there is the knowledge of you.

I wish we could take every path.
I could spend a hundred years
adoring you.
Yes, I wish we could take every path,
because I hated to close
the door on you.

Do you remember staring
up at the stars,
so far away in their bulletproof cars?
We heard the rushing, slow intake
of the dark, dark water,
and the engine breaks,
and I said,

How about them engine breaks?
And, if I should die before I wake,
will you keep an eye on Baby Birch?
Because I’d hate to see her
make the same mistakes.

When it was dark,
I called and you came.
When it was dark, I saw shapes.
When I see stars, I feel, in your hand,
and I see stars,
and I reel, again.

Well mercy me. I’ll be goddamned.
It’s been a long, long time
since I last saw you.
And I have never known the plan.
It’s been a long, long time.
How are you?
Your eyes are green. Your hair is gold.
Your hair is black. Your eyes are blue.
I closed the ranks, and I doubled back–
but, you know, I hated to close
the door on you.

We take a walk along the dirty lake.
Hear the goose,
cussing at me over her eggs.
You poor little cousin.
I don’t want your dregs
(a little baby fussing all over my legs).

There is a blacksmith,
and there is a shepherd,
and there is a butcher boy,
and there is a barber, who’s cutting
and cutting away at my only joy.
I saw a rabbit,
as slick as a knife,
and as pale as a candlestick,
and I had thought it’d be harder to do,
but I caught her, and skinned her quick:
held her there,
kicking and mewling,
upended, unspooling, unsung and blue;
told her „wherever you go,
little runaway bunny,
I will find you.“
And then she ran,
as they’re liable to do.

Be at peace baby and be gone

Aktion Lichtpunkt


Ab heute kann sie wieder bestellen: Die Lichtpunkte. Das offizielle Zeichen der Trauer über all die Kinder, die viel zu früh von uns gehen mussten. Ein Lichtpunkt kostet 12,90€ (+Versandkosten).

http://www.aktion-lichtpunkt.de/

„Der Lichtpunktstecker mit Butterfly-Verschluss kann an jedem Kleidungsstück getragen werden. Der vergoldete Messing-Anstecker wurde von Hand gefertigt und konfektioniert und wird in einem Gedenkkärtchen versendet.“

Vielleicht wenigstens ein kleiner Trost, wenn man sieht, wieviele Menschen das gleiche Schicksal teilen müssen. Lasst uns ganz viele Lichtpunkte setzen! In Erinnerung an unsere Kinder!!

Neue Zeitrechnung..


und dann gibt es Tage, an denen man zurückdenkt.. Tage, an denen man sich versucht zu erinnern an die Zeit im Hospiz… 2 Wochen+2 Tage, die nicht einschätzbar sind, weil die Zeit dort stehen geblieben ist.. Bis auf den einen Tag, an dem das Karussel abrupt stehen blieb. Einfach so. Ohne Vorwarnung. Und man ist als Einziger geschockt über den plötzlichen Stillstand während alle anderes es kommen sahen… Und von da ab gibt es für Dich eine neue Zeitrechnung die nur noch aus einem „davor“ und einem „danach“ existiert.

Hab Dich versucht festzuhalten…..


Die Zeit rennt.. mir kommt es vor, als würde sie schneller werden mit jedem Tag.  Keiner redet über Dich, keiner spricht mit mir über Dich. Sitze zu Hause, sehe mir die Videos an, von einer Zeit, in der noch alles gut war. Sehe Dich mit dem Löffel in der Hand auf den Tisch hauen und lachen..Monate später konntest Du auch das nicht mehr. Aber Du hast uns gezeigt, dass Du unsere Nähe spürst. Ich habe Dich versucht festzuhalten..

vom ersten 079

bis zum letzten 011

Tag.

Aber ich habe es nicht geschafft. Du wurdest mir genommen- einfach so. Es ist so verdammt ungerecht!!! Ich denke jeden Tag an Dich, gebe mir Mühe, zu bestehen im Alltag. Für alle anderen bist Du aus den Augen, aus dem Sinn. Für mich nicht. Du bist ganz nah bei mir. Doch die Erinnerung wird schwächer.. Ich vergesse langsam wie Du gerochen hast, wie du lautiert hast, wie du mich angesehn hast… Ich wünsche mir Dich viel näher an mir. Aber Du entfernst Dich immer mehr von mir. Ich habe so große Angst davor, Dich zu vergessen!!

Ich weiss gar nicht, wie ich die Zeit ohne Dich überleben soll. Jeden Tag muss ich aufstehen, obwohl es seit dem 1.Mai 2014 für mich keinen Grund mehr gibt, aufzustehen.. Du bist nicht mehr da. Du warst der einzige Grund für mich, das Leben als schön anzusehen.Und nun muss ich aufstehen, um überleben zu können. Und nicht mal das gelingt mir wirklich….

Motti, Du fehlst mir so unendlich!!!! Warte auf mich da oben…..

Wie ist es…?


Wie ist es, wenn man weiss, dass man in unbekannter Zukunft Abschied von seinem Kind nehmen muss? Wie ist es, wenn man weiss, dass einem das Liebste auf der Welt genommen wird? Wie ist es, wenn man anstatt neuer Klamotten, Fahrrad oder Spielsachen schon in Gedanken die Beerdigung seines Kindes planen muss? Wie ist das, wenn man morgens aus dem Haus gehen muss und nicht weiss, ob sein Kind noch lebt, wenn man abends nach Hause kommt? Wie ist das, wenn man statt Ausflügen mit dem Kind lernen muss, wie man Notfallmedikamte sachgerecht gibt und Reanimation im Schlaf beherrschen muss? Wie ist das, wenn man anhand kleinster Verhaltensänderungen einen Notfall erkennen muss? Wie ist das, wenn man 8 Stunden arbeiten muss und nachts manchmal gar nicht schlafen kann, weil die Krankheit/die Krämpfe dein Kind nicht schlafen lässt/lassen? Wie ist das, wenn sich Freunde nicht mehr melden, weil Du nicht abends weggehen kannst? Wie ist das, wenn du jeden Tag in ein Krankenhaus fahren musst, weil dein Kind dort über Monate liegt? Wie ist das, wenn Du angezogen schläfst, weil Du jede Sekunde mit dem schlimmsten Telefonanruf rechnen musst? Wie ist das, wenn Du Schweissattacken bekommst, nur weil Du 5 Minuten in einem Funkloch hängst und Du Angst hast, diesen Anruf zu verpassen? Wie ist das, wenn Du Stunden am Tag mit der Krankenkasse um Dein Recht kämpfen musst? Wie ist das, wenn Du alle Termine, die im Alltag mit einem behinderten Kind konform zu Deinem Fulltimejob managen musst? Wie ist das, wenn Du keine Zeit mehr hast, etwas einzukaufen, weil Du niemanden hast, dem Du so ein pflegeintensives Kind anvertrauen kannst? Wie ist das, wenn Du andere Eltern siehst, mit gesunden Kindern? Wie ist das, wenn Du jeden Tag mehr Entwicklungsrückschritte Deines Kindes feststellst? Wie ist das, wenn andere stolz von ihren Kindern erzählen? Wie ist es, wenn Du nicht mehr kannst und trotzdem kämpfen musst? Wie ist es, wenn Du hoffnungslos bist, es aber nicht zeigen darfst? Wie ist es, wenn Du für andere stark sein muss, obwohl Du innerlich zerbrichst? Wie ist das, wenn Du nur noch funktionierst und keine Zeit hast, zu leben?

Es IST BESCHISSEN!!! Aber es MUSS!!! Aber jedes einzelne MUSS ist es wert!! Denn diese Zeit gibt Dir niemand zurück!! Es ist alles, was Du haben kannst…

Und dann wird Dir dies genommen. Von einer Sekunde auf die andere. Und Du fühlst Dich, als hättest Du es nicht gewusst, dass es so endet.. wieso denn jetzt?!! Wieso überhaupt?!! Was soll das?!!

Den Rest des Lebens ohne sie MUSST Du nur noch überleben.. aber das ist kein Tag ohne sie jemals wert!

Paravent gegen Windhauch


Liebe und Freundschaft sind die Momente,
in dem Dich jmd einfach in den Arm nimmt, wenn Du weinst..
In dem man nicht fragt, was los ist.
Momente, in denen Du fällst und jmd unter Dir steht, weil er vorher wusste,
dass Du fällst.
Momente, in denen Dich Menschen ablenken,
bevor Du anfängst zu weinen..
Momente, in denen Freunde Hindernisse aus dem Weg räumen,
bevor Du sie passierst.
Momente, in denen Freunde die Aufgaben für Dich übernehmen,
zu denen Du nicht fähig bist.
Momente, in denen Dich Freunde leiten und führen.
Lass Dich führen und vertraue ihnen.
Danke, dass es euch gibt.
Ohne euch würden wir verstört durchs Leben stolpern.

 

Im Moment scheint alles irgendwie „wackelig stabil“.. wie ein Kartenhaus. Noch steht es. Aber der kleinste Windhauch kann alles wieder einstürzen lassen. Am besten man baut einen Paravent drum herum. Aber ist das sinnvoll? Was ist, wenn der Windhauch von der anderen Seite kommt? Dann brauchen wir wohl auch einen Paravent auf der anderen Seite. Und dann? Steht das Kartenhaus isoliert von Allem in dem Ring aus Paravents. Ist das das Ziel? Isolation als Prävention?

Sicher nicht.

Also warten wir auf den Luftzug. Und erfreuen uns über die „wackelige Stabilität“ und deren Dauer.